Kopfschmerzen & Migräne: Symptome, Behandlung, Vorbeugung

Viel Wissen, Eigenverantwortung und richtiges Verhalten gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein gesundes Leben: Wissen kann Kopfschmerzen ersparen. Daher haben wir im Folgenden für Sie die wichtigsten Informationen und Tipps zur Vorbeugung von Kopfschmerzen sowie zur Behandlung von Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne zusammengefasst.

Kopfschmerzen: Formen und Ursachen

Was steckt hinter Kopfschmerzen?

Ärztlich wird zwischen primären (zum Beispiel Migräne, Spannungskopfschmerz) und sekundären Kopfschmerzen (Symptom einer anderen Erkrankung) unterschieden. Die internationale Klassifikation ICHD‑3 beschreibt Merkmale und Diagnosekriterien.

Sekundäre Kopfschmerzen sind Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Solche Kopfschmerzen sind zum Beispiel:

  • Kopfschmerz bei Kopfverletzungen
  • Kopfschmerz bei Hirnblutungen und Blutgefäßerkrankungen
  • Kopfschmerz bei Hirntumoren
  • Kopfschmerz bei Infektionskrankheiten

Bei der Feststellung, um welche Kopfschmerzen es sich handelt, müssen zunächst immer durch eine ärztliche Untersuchung sekundäre Kopfschmerzen beziehungsweise die zugrunde liegenden Erkrankungen ausgeschlossen werden. Bei den primären Kopfschmerzen lassen sich keine anderen zugrunde liegenden Erkrankungen aufdecken, und die Suche nach anderen Kopfschmerzursachen bleibt ergebnislos. Bei den primären Kopfschmerzen sind die Kopfschmerzen selbst die Erkrankung. Es gibt folgende Arten von Kopfschmerzen:

  • Migräne
  • Kopfschmerzen vom Spannungstyp
  • Clusterkopfschmerzen

Welche Kopfschmerzen sind am häufigsten?

In der großen Mehrzahl geben die Betroffenen zwei verschiedene Formen von Kopfschmerzen an: Viele Menschen klagen über Migräne oder Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Hingegen werden andere Kopfschmerzformen eher selten geäußert.

Migräne: Phasen & typische Symptome

Wie läuft eine Migräneattacke ab?

Die Migräne ist die häufigste Kopfschmerzform, die Patient*innen zum Arzt beziehungsweise zur Ärztin führt. Typisch ist der so unverständliche Wechsel zwischen schlimmsten Schmerzen, quälenden Begleitsymptomen und allgemeinem Krankheitsgefühl während der Migräneattacke und dem völligen Wohlbefinden zwischen den Attacken. Die Migräne unterscheidet sich in ihrem Schmerzbild deutlich vom Kopfschmerz vom Spannungstyp.

Beginn mit Vorwarnsymptomen: Viele der betroffenen Menschen bemerken bis zu zwei Tage vor Beginn des Migräneanfalls erste Anzeichen für den kommenden Migräneanfall. Solche Vorwarnzeichen sind zum Beispiel Heißhunger nach bestimmten Speisen, Verstimmung, häufiges Gähnen, verstärkte Aktivität oder Müdigkeit.

Die Vorstufe der Migräneattacke: die Auraphase

Bei einigen der Betroffenen beginnt der eigentliche Migräneanfall mit neurologischen Störungen, einer Migräneaura. Die Auraphase tritt zeitlich meist vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auf. Am häufigsten finden sich Auren in Form von einseitigen Sehstörungen. Flimmererscheinungen, Zickzacklinien mit farbigen Randzacken. Grell blendende oder schwarze Flecken im Gesichtsfeld sind typische Beispiele. Auren können aber auch in Form von Kribbelmissempfindungen oder Taubheitsgefühlen auftreten, die sich häufig von den Fingerspitzen hoch zur Schulter und weiter zum Gesicht ausbreiten.

Gerade diese langsame Ausbreitung der einzelnen Aurasymptome über mehrere Minuten hinweg ist das Charakteristische für Migräneauren. Die Symptome treten nicht wie beim Schlaganfall schlagartig in ihrer vollen Ausprägung auf. Alle Auraformen, auch Lähmungen und Sprachstörungen, halten meist weniger als 60 Minuten an und bilden sich komplett zurück. Selten sind Auren von über 60 Minuten Länge, die dann als verlängerte (oder prolongierte) Auren bezeichnet werden. Die Migränekopfschmerzen folgen spätestens nach einer Stunde. Gerade die Aura kennzeichnet die Migräne als neurologisches Krankheitsbild.

Die Hauptphase der Migräne: die Kopfschmerzphase

Die Kopfschmerzphase während der Migräne ist charakterisiert durch einen typischerweise einseitig auftretenden Kopfschmerz, wobei jede Region des Kopfes betroffen sein kann. Häufig zieht der Kopfschmerz während der Attacke auch umher. Der Kopfschmerz wird als pulsierend, hämmernd oder pochend verspürt. Jeder Pulsschlag verstärkt den Kopfschmerz. Der Kopfschmerz während der Migräneattacke hat eine so starke Intensität, dass Arbeits- oder Freizeitaktivitäten behindert oder komplett unmöglich gemacht werden.

Körperliche Belastungen wie zum Beispiel Bücken oder Treppensteigen verstärken die Kopfschmerzen. Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen sind charakteristische Begleitstörungen. Zusätzlich können Reizstörungen anderer Sinnesorgane auftreten wie zum Beispiel Lärm-, Licht- oder Geruchsüberempfindlichkeit. Die Betroffenen legen sich typischerweise in ihr Bett, ziehen die Vorhänge zur Verdunklung zu und erbitten Ruhe. Die Beschreibung der Beschwerden durch den Betroffenen/die Betroffene versetzt den Arzt beziehungsweise die Ärztin in die Lage, anhand bestimmter Kriterien die Diagnose einer Migräne zu stellen.

Diagnostische Kriterien der Migräne ohne Aura

Kopfschmerzdauer, unbehandelter Verlauf:

  • vier bis 72 Stunden

Kopfschmerzcharakteristika (mindestens zwei):

  • einseitiger Kopfschmerz
  • pulsierender Charakter
  • mittelstarke bis starke Schmerzintensität, erhebliche Behinderung der Tagesaktivität
  • Verstärkung bei körperlicher Aktivität

Begleitphänomene (mindestens eins):

  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Lichtüberempfindlichkeit
  • Lärmüberempfindlichkeit

Attackenanzahl:

  • wenigstens fünf vorangegangene Attacken

Ausschluss symptomatischer Kopfschmerzen:

  • durch ärztliche Untersuchung

Migräneanfälle - Ursachen

Vererbung spielt bei der Migräne eine wichtige Rolle. Migräne eines Elternteils bedeutet ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, ebenfalls im Laufe des Lebens Migräneattacken zu bekommen. Vererbt wird aber nur die Bereitschaft, in bestimmten Reizsituationen eine Migräneattacke zu entwickeln.

Die Abläufe während der Migräne kann man mit einem Sonnenbrand vergleichen. Auch ein Sonnenbrand ist nicht angeboren. Mit einer hellen Hautfarbe wird jedoch die Bereitschaft vererbt, einen Sonnenbrand zu entwickeln, wenn man sich zu lange einer bestimmten Reizsituation aussetzt. In diesem Beispiel ist das Sonnenlicht die Reizsituation, bei der Migräne sind es die so genannten Auslösefaktoren. Die Auslösefaktoren der Migräne sind individuell verschieden. Es werden einige Punkte jedoch immer wieder genannt.

  • Änderungen des üblichen Tagesablaufes (Auslassen von Mahlzeiten, zu viel oder zu wenig Schlaf, ...)
  • Abrupte Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung (Woche/Wochenende, ...)
  • Außergewöhnliche psychische Belastungssituationen (Stress, Freude, Trauer, ...)
  • Hormonveränderungen (Menstruation)
  • Äußere Reize (Licht, Lärm, Gerüche, ...)
  • Wetteränderungen (Föhn, Hitze, ...)
  • Änderungen der normalen Nahrungszufuhr (Alkohol, Käse, Gewürze, Kaffee, ...)

Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass es während einer Migräneattacke wie beim Sonnenbrand zu einer Entzündungsreaktion kommt. Die beschriebenen Auslösesituationen rufen im Gehirn eine Abfolge von Vorgängen mit Entzündung der Hirnhaut und der in ihr verlaufenden Blutgefäße hervor. Wie die Haut besitzt auch die Hirnhaut ein dichtes Netz von Schmerzrezeptoren, die durch die Entzündung so empfindlich werden, dass das Pulsieren der Blutgefäße zu dem typischen hämmernd pochenden Migränekopfschmerz führt. Jede körperliche Aktivität und jedes Bücken führen über ein verstärktes Pulsieren zur Schmerzzunahme.

Was hilft am besten gegen Migräne?

Sei es durch Vorbeugemaßnahmen, Medikamente oder verschiedene Verhaltensverfahren: Migräne lässt sich behandeln. Im Folgenden haben wir für Sie die wichtigsten Tipps und Tricks aufgelistet, wie Sie Migräne von Beginn an vermeiden können und wie Sie bei bereits aufgetretenen Migräneanfällen bestmöglich dagegen handeln können, um Ihr Wohlbefinden zurück zu bekommen.

Tipps: Das hilft gegen Migräne

Vorbeugung durch Vermeidung von Auslösefaktoren

Die beste Migräneattacke ist die, die erst gar nicht auftritt. Versuchen Sie deshalb, ihre Auslösefaktoren herauszufinden. Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen dabei helfen. Erstellen Sie sich Kopien davon, und füllen Sie es regelmäßig aus. So können Sie erreichen, dass ausschließlich durch Verhaltensmaßnahmen Migräneattacken wesentlich weniger stark und häufig auftreten. Einige praktische Tipps dazu finden Sie nachstehend.

Persönlichen Migräneauslöser identifizieren

  • Behalten Sie einen gleichmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus bei, vor allem am Wochenende. Deshalb am Wochenende Wecker auf die gewohnte Weckzeit einstellen und zur gleichen Zeit frühstücken wie sonst auch. Das ist zwar hart, vermeidet aber die Migräne
  • Achten Sie auf regelmäßige Nahrungseinnahme. Versuchen Sie, Ihre gewohnten Essenszeiten einzuhalten
  • Treiben Sie regelmäßig gesunden Sport, z. B. Schwimmen, Radfahren, Wandern; das hilft beim Entspannen
  • Versuchen Sie eine ausgeglichene Lebensführung. Ein gleichmäßiger Tagesablauf kann Kopfschmerzen verhindern
  • Lernen Sie, "nein" zu sagen. Lassen Sie sich nicht zu Dingen drängen, die Sie nicht tun wollen
  • Lernen Sie das Entspannungstraining "Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen"
  • Lassen Sie öfters einmal fünf gerade sein. Überfordern Sie sich nicht. Lassen Sie Dinge einfach einmal liegen, wenn sie Ihnen zu viel werden

Vorbeugung durch Reduktion der Anfallsbereitschaft

Die zweite Möglichkeit, die Auslösung von Migräneattacken zu verhindern, ist die Reduktion der erhöhten Anfallsbereitschaft des Gehirns. Dazu stehen medikamentöse und nicht­medikamentöse Möglichkeiten zur Verfügung.

Nichtmedikamentöse Verfahren

Auslösefaktoren wirken durch eine plötzliche Veränderung der normalen Hirnaktivität. Nicht­medikamentöse Verfahren zur Vorbeugung der Migräneattacke versuchen, die Hirnaktivität zu stabilisieren, damit plötzliche Störungen sich nicht auswirken können. Oberstes Gebot ist ein möglichst regelmäßiger Tagesablauf, der zu einer Synchronisation der Gehirntätigkeit und damit zu einer geringeren Störanfälligkeit führt. Das erfordert eine Planung und Regeln, an die Sie sich selbst halten müssen. Aber auch andere sind gehalten, auf diese Regeln Rücksicht zu nehmen. Fertigen Sie sich einen Stundenplan für die Woche. Achten Sie dabei darauf, dass Sie feste Zeiten für Mahlzeiten, Arbeit und Freizeit vorsehen.

Lassen Sie in Ihrem Stundenplan auch Platz für spontane Entscheidungen. Der Plan soll Sie nicht an ein starres Zeitkorsett binden. Sinn ist vielmehr, einen ungleichmäßigen Tagesablauf gegen eine klare Struktur einzutauschen.

Weitere Methoden zur nicht-medikamentösen Vorbeugung

Es gibt eine Vielzahl von nicht­medikamentösen Maßnahmen, die bei manchen Patient*innen günstig auf den Migräneverlauf wirken. Zunächst sind hier weitere Entspannungsverfahren zu nennen, wie zum Beispiel Thai Chi, Yoga oder verschiedene Meditationsarten. Diese Verfahren müssen erlernt werden und können nur bei regelmäßiger Anwendung wirken.

Auch regelmäßiger Sport, Spazierengehen und bewusste Lebensführung sind Möglichkeiten, Stress im Alltag abzubauen und die Migräne günstig zu beeinflussen. Physikalische Therapieverfahren, wie Gymnastik, Massagen, Hydro- und Thermotherapie dienen dem gleichen Zweck. Ein heilender Effekt auf den Migräneverlauf ist hier jedoch ebenso wenig zu erwarten wie von einer Akupunkturbehandlung oder einer Therapie mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS).

Entspannungsverfahren

Jeden Tag sollten Sie mindestens 15 Minuten für Ihr Entspannungstraining einplanen. Am besten hat sich die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen bewährt. Kurse werden von Ärzten/Ärztinnen, Psychologen/Psychologinnen und Volkshochschulen angeboten. Es gibt auch Online-Selbstlernkurse. Die beste Zeit für die Durchführung eines Entspannungstrainings ist, wenn anschließend etwas Positives und Angenehmes auf dem Plan steht, zum Beispiel eine Teepause oder der tägliche Spaziergang mit Ihrem Hund.

Geben Sie nicht gleich auf, wenn es am Anfang nicht so klappt wie gewünscht. Ihr Stundenplan lässt sich mit zunehmender Erfahrung optimieren.

Der Vorteil dieser Methoden liegt darin, dass Sie diese selbständig durchführen und anwenden. In den letzten Jahrzehnten wurden auch Therapieverfahren entwickelt, die in der Regel durch Verhaltenstherapeuten eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um die Biofeedback-Therapie und das Selbstsicherheitstraining.

Biofeedback-Therapie

In der Biofeedback-Therapie wird vom Therapeuten beziehungsweise von der Therapeutin mit einem Gerät eine bestimmte Körperfunktion wie die Kopfmuskelaktivität oder der Pulsschlag gemessen. Die Ergebnisse werden für den Patienten/die Patientin zum Beispiel auf einem Bildschirm angezeigt. Durch diese Rückmeldung ("feedback") kann der Patient/die Patientin direkt sehen, ob seine Muskeln entspannt sind oder sein Puls regelmäßig und langsam schlägt. In der weiteren Therapie wird gelernt, diese Körperfunktionen direkt und gezielt zu beeinflussen. Ziel ist eine unmittelbare willentliche Steuerung der Körperfunktionen.

Selbstsicherheitstraining

Das Selbstsicherheitstraining soll Patient*innen in die Lage versetzen, für ihre persönlichen Rechte einzustehen und ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Einstellungen auszudrücken. Selbstsicherheit und soziale Kompetenz können dazu führen, dass man sein Leben mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe leben kann. Wünsche werden mit möglichst geringem Aufwand realisiert. In Trainingssituationen werden den Patient*innen Aufgaben zur sozialen Kompetenz gestellt, die sie zu bewältigen haben.

Die Übungen werden entweder im Rollenspiel in einer Gruppe, mit einem Therapeuten/einer Therapeutin oder Trainer beziehungsweise Trainerin oder als Hausaufgabe "live" geübt. Es gibt sehr viele unterschiedliche Trainingsprogramme.

Medikamentöse Vorbeugung der Migräne

Sollten trotz Einhaltens der empfohlenen Verhaltensregeln weiterhin mehr als drei Migräneattacken pro Monat auftreten oder sprechen Patient*innen während der einzelnen Anfälle nicht prompt auf Medikamente an, kann eine medikamentöse Vorbeugung sinnvoll sein.

Ziel ist es, durch regelmäßige tägliche Einnahmen von bestimmten Substanzen die Attackenhäufigkeit, -dauer und -intensität um die Hälfte zu reduzieren. Es wäre jedoch falsch zu glauben, Migräne könnte komplett unterdrückt werden. Migräne kann nicht geheilt werden. Genauso falsch wäre es, die Medikamente als Ersatz für Verhaltensmaßnahmen anzusehen.

Medikamentöse Vorbeugung der Migräne: Substanzen

Häufig eingesetzte Substanzen sind

  • die Betarezeptorenblocker Metoprolol (z. B. Beloc-Zok ® ) und Propranolol (z. B. Dociton®)
  • Flunarizin (z. B. Sibelium ®)
  • Amitriptylin (z. B. Saroten ®)

In bestimmten Situationen wirksam sind auch

  • Magnesium
  • Acetylsalicylsäure (z. B. ASS 300) (in Dosierungen von 300 mg täglich)
  • Naproxen (z. B. Proxen ® ) zur Kurzzeitprophylaxe der menstruellen Migräne
  • Valproinsäure (z. B. Ergenyl chrono ® )
  • Topiramat (z. B. Topamax Migräne ® )

Durch eine medikamentöse Prophylaxe sollen in erster Linie die Komplikationen einer zu häufigen Einnahme von Kopfschmerzmedikamenten vermieden werden. Hierzu gehören zum einen Magen-Darm-Beschwerden, zum anderen Nieren- und Leberschädigungen.

Durch die permanente Einnahme von Medikamenten zur Behandlung der Migräneattacke kann auch ein medikamentenbedingter Dauerkopfschmerz hervorgerufen werden. Ein zunächst attackenweise auftretendes Kopfschmerzleiden wandelt sich dann in einen ständigen hartnäckigen Dauerkopfschmerz um. Diese Gefahr ist bei Einnahme von Kombinationspräparaten, die in einer Tablette mehrere Wirksubstanzen vereinen, besonders groß. Auch die zu häufige Einnahme von Ergotaminen kann hartnäckige Dauerkopfschmerzen hervorrufen. Es ist paradox: Manche Mittel, die zuerst Kopfschmerzen lindern, können bei falscher Einnahme bald selbst Kopfschmerzen erzeugen.

Migräneanfälle: Was kann man tun?

Allgemeine Maßnahmen: Reizabschirmung

Das Gehirn des Migränekranken ist aufgrund der plötzlichen Fehlsteuerung von Nerven "überreizt". Sinneseindrücke jeglicher Art können als unangenehm oder auch schmerzhaft erlebt werden. Reizabschirmung gehört deshalb zu einer der ersten Maßnahmen in der Behandlung. Die Patient*innen sollten sich in eine ruhige Umgebung zurückziehen können. Da die Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit den Patient*innen gut bekannt ist, aber aufgrund der Alltagsbedingungen eine Reizabschirmung nicht immer möglich ist, versuchen die Patient*innen, sich durch schnelle und übermäßige Einnahme von Medikamenten arbeitsfähig zu erhalten.

Diese Situation ist ein wesentlicher Grund für einen medikamentösen Fehlgebrauch mit der Gefahr der Entstehung eines medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes. Beanspruchen Sie in solchen Fällen eine Pause, bis es Ihnen wieder besser geht.

Bereiten Sie ein Schild "Bitte nicht stören" vor. Manchmal dauert es lange, bis die Umgebung lernt, Rücksicht auf eine Erkrankung zu nehmen. Auch Menschen mit anderen Behinderungen haben lange für Rücksichtnahme arbeiten müssen – aber zum Teil mit Erfolg, wie Sie an manchen Gehsteigkanten sehen.

Während der Zeit des Sichzurückziehens in einem licht- und lärmgeschützten Raum sollte das Entspannungsverfahren angewendet werden, das vorher schon eingeübt wurde. Dies kann bei der Stabilisierung der Nervensysteme im Gehirn behilflich sein und den Behandlungserfolg beschleunigen. Reizabschirmung und Entspannungsinduktion sollten deshalb immer zu den ersten Maßnahmen in der Behandlung der akuten Migräneattacke gehören.

Medikamentöse Maßnahmen bei Migräne

Viele Migränepatient*innen kennen Ankündigungssymptome einer Migräneattacke. Solche Symptome können zum Beispiel Stimmungsschwankungen im Sinne von Gereiztheit oder Hyperaktivität sein, erhöhter Appetit, insbesondere auf Süßigkeiten, oder ausgeprägtes Gähnen.

Ankündigungssymptome zeigen sich bei über einem Drittel der Migränepatient*innen bis zu 48 Stunden vor dem Beginn der Migräneattacke. Zur Verhinderung des folgenden Attackenbeginns ist die Einnahme von Acetylsalicylsäure (zum Beispiel Aspirin oder Ähnliches) möglich. Diese Maßnahme kann insbesondere Patient*innen empfohlen werden, die aufgrund bestimmter Ankündigungssymptome mit großer Wahrscheinlichkeit das Entstehen einer Migräneattacke vorausahnen können.

Leichte Migräneattacken lassen sich durch langsamen Beginn, schwache bis mittlere Kopfschmerzintensität, fehlende oder nur gering ausgeprägte Aurasymptome sowie nur mäßige Übelkeit und fehlendes Erbrechen von schweren Migräneattacken abgrenzen. Zur Behandlung dieser leichten Migräneattacken wird die Kombination eines Medikaments gegen die Übelkeit (Antiemetikum) mit einem Schmerzmittel (Analgetikum) empfohlen.

Die Gabe eines Medikaments gegen Übelkeit und Erbrechen hat sich in der Behandlung der Migräneattacke als sinnvoll erwiesen, da es einerseits gezielt die Symptome Übelkeit und Erbrechen reduziert, andererseits die Magen- und Darmaktivität normalisieren kann. Dadurch kann die Aufnahme des Medikaments gegen die Schmerzen verbessert und beschleunigt werden. Man wartet deshalb etwa 15 Minuten, bis dieses Medikament an seinem Wirkort angelangt ist, und gibt dann erst das Schmerzmittel.

Behandlung der leichten Migräneattacke mit Medikamenten

Wirksame Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen sind zum Beispiel:

  • Metoclopramid (z. B. Paspertin ®)
  • Domperidon (z. B. Motilium ®)
  • Dimenhydrinat (z. B. Vomex A ®)

Besteht überhaupt keine Übelkeit und kein Erbrechen bei leichten Migräneattacken, kann allein das Schmerzmittel eingenommen werden. Als Schmerzmittel bei leichten Migräneattacken haben sich vier Substanzen bewährt:

  • Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin+C ®)
  • Paracetamol (z. B. ben-u-ron ®)
  • Ibuprofen (z. B. Aktren spezial ®)
  • Phenazon (z. B. Migräne-Kranit ®)

Diese vier Substanzen sind nicht verschreibungspflichtig und können in der Apotheke ohne ärztliches Rezept bezogen werden.

Medikamentöse Behandlung der schweren Migräneattacke

Eine schwere Migräneattacke besteht, wenn sich das zunächst eingesetzte Behandlungsschema für leichte Migräneattacken als nicht ausreichend wirksam erweist. Schwere Migräneattacken liegen jedoch auch dann vor, wenn sehr stark ausgeprägte oder eine Kombination von neurologischen Begleitstörungen der Migräne (Aurasymptome) auftreten. Ferner liegt diese bei langen und häufigen Attacken, häufiger und langer Arbeitsbehinderung oder Unfähigkeit, am sozialen Leben teilzunehmen, vor.

Medikamente der Wahl bei einer schweren Migräneattacke sind die Triptane: Sumatriptan, Naratriptan, Zolmitriptan, Eletriptan, Almotriptan und Frovatriptan. Triptane wirken auch gegen Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Die zusätzliche Anwendung eines Medikaments gegen Übelkeit und Erbrechen ist nicht mehr erforderlich.

Eine entscheidende Wirkung der Triptane: Sie blockieren die Freisetzung von Nervenbotenstoffen, die eine lokale neurogene Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns auslösen können. Zudem können Triptane während der Migräneattacke die erhöhte Nervenaktivität in verschiedenen Gehirnzentren normalisieren und erweiterte Kurzschlüsse zwischen den Arterien und Venen des Gehirns wieder verengen, wodurch eine Normalisierung der Sauerstoffversorgung des Gehirns erreicht wird.

Wichtige Regeln für alle Triptane:

  • Triptane dürfen nur nach einer ausreichenden ärztlichen Voruntersuchung einschließlich Blutdruckmessung und Elektrokardiogramm sowie individueller Beratung eingesetzt werden. Dies gilt auch und gerade für den erstmaligen Einsatz in der Notfallsituation bei schweren Migräneattacken
  • Sie dürfen nicht eingesetzt werden, wenn ein medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz oder Gegenanzeigen bestehen, wie zum Beispiel nach Herzinfarkt, nach Schlaganfall, anderen Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Nehmen Sie Triptane erst ein, wenn die Kopfschmerzphase beginnt, dann aber so früh wie möglich. Während der Auraphase sollten diese Wirkstoffe nicht verabreicht werden. Gefäßverengende Wirkstoffe wie Triptane können in dieser Phase zu einer Verstärkung der Symptome führen
  • In keinem Fall dürfen Triptane in Verbindung mit den früher häufig eingesetzten Ergotaminen verabreicht werden, da sowohl Ergotamine als auch Triptane zu einer Gefäßverengung führen
  • Da die Triptane nur eine begrenzte Wirkzeit haben, treten bei einigen der behandelten Patient*innen nach Abklingen der Wirkzeit erneut Migränesymptome auf. Dieser so genannte Wiederkehrkopfschmerz lässt sich aber mit einer erneuten Dosis erfolgreich behandeln. Wichtig: Dies bedeutet nicht, dass die Migräneattacke aufgeschoben oder verlängert wird! Es gilt die Faustregel, dass die Dosis einmal pro Tag wiederholt werden kann. Wenn Sie an einem Tag mehr als zweimal zu dem Medikament greifen, sollten Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin ein neues Therapiekonzept erarbeiten, das zu einer besseren Wirksamkeit führt. Es empfiehlt sich dann die Wahl eines lang wirkenden Triptans, wie zum Beispiel Almotriptan, Naratriptan oder Frovatriptan. Auch die Kombination mit einem lang wirksamen so genannten COX-2-Hemmer kann die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen reduzieren
  • Unabhängig von der Höhe der Dosis sollten Sie das Mittel pro Monat an nicht mehr als zehn Tagen einnehmen, da sonst die Gefahr eines medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes besteht
  • Patient*innen mit einer hohen Attackenfrequenz sind oft unsicher, ob sie bei Beginn der Kopfschmerzen bereits das Triptan einnehmen sollen. Aus diesem Grunde wurde eine Checkliste, die so genannte Triptanschwelle, entwickelt, mit deren Hilfe man den genauen Einnahmezeitpunkt individuell ermitteln kann
  • Triptane sollten nur bis zu einem Alter von 65 Jahren verabreicht werden. Es liegen mittlerweile auch Studien für den Einsatz von Sumatriptan bei Jugendlichen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr vor. Diese ergaben kein erhöhtes Risiko in dieser Altersgruppe. Bei Kindern unter 12 Jahren sollten Triptane allerdings nicht verabreicht werden
  • Typische Nebenwirkungen der Triptane sind ein leichtes, allgemeines Schwächegefühl und ein ungerichteter Schwindel, Missempfindungen, Kribbeln, Wärme- oder Hitzegefühl und leichte Übelkeit. Sehr selten kann auch ein Engegefühl im Brust- sowie Halsbereich auftreten. In aller Regel sind die Nebenwirkungen mild und verschwinden von selbst wieder
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Der Kopfschmerz vom Spannungstyp

Diagnostische Kriterien des episodischen Kopfschmerzes

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist ein dumpf drückender Kopfschmerz, der meist beide Kopfhälften betrifft. Es ist der häufigste Kopfschmerztyp. Die durchschnittliche Schmerzstärke wird mit leicht bis mittelstark angegeben. Übelkeit oder Erbrechen treten nicht auf. Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit sind nicht vorhanden oder nur wenig ausgeprägt. Dieser Kopfschmerz tritt häufig episodisch, also nur zu bestimmten Zeiten, auf.

Er kann aber auch chronisch, das heißt über lange Zeit oder sehr häufig, vorhanden sein. Bei drei Prozent der deutschen Bevölkerung besteht ein solcher Kopfschmerz nahezu täglich. Chronisch ist dieser Kopfschmerz zu nennen, wenn er innerhalb eines halben Jahres mindestens an 15 Tagen pro Monat bestand. Gerade die chronische Form geht mit einem ausgeprägten Leidensdruck einher und beeinträchtigt alle Bereiche des Lebens. Die Diagnose eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp wird gestellt, indem der Arzt/die Ärztin prüft, ob die vom Patienten beziehungsweise von der Patientin geschilderten Kopfschmerzen den folgenden definierten Kriterien entsprechen. Die körperliche und die neurologische Untersuchung müssen vollkommen regelgerecht sein.

Kopfschmerzdauer und Häufigkeit:

  • bei unbehandeltem Verlauf 30 Minuten bis sieben Tage; an weniger als 15 Tagen im Monat auftretend

Schmerzcharakteristika (mindestens zwei):

  • drückend bis ziehend, nicht pulsierend
  • leichte bis mittelstarke Intensität, übliche Aktivitäten werden nicht nachhaltig behindert
  • beidseitiger Kopfschmerz
  • körperliche Aktivität verstärkt den Kopfschmerz nicht

Weitere Bedingungen:

  • keine Übelkeit, kein Erbrechen
  • Lichtüberempfindlichkeit und/oder Lärmüberempfindlichkeit

Eine einheitliche Verursachung besteht nicht. Ein Ausschluss symptomatischer Kopfschmerzen ist nur durch ärztliche Untersuchung möglich.

Ursachen von Spannungskopfschmerzen

Die genauen Abläufe bei der Entstehung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp sind bisher nicht geklärt. Viele Forscher*innen gehen davon aus, dass keine einheitliche Verursachung anzunehmen ist.

Untersuchungen weisen darauf hin, dass bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp eine Störung des körpereigenen Schmerzabwehrsystems besteht. Schmerzempfindungen entstehen nicht nur durch Einwirkungen von außen, sondern das Gehirn kann selbstständig regulieren, wie viele Schmerzinformationen eingelassen und bewusst werden. Solche Steuerungsvorgänge gibt es prinzipiell bei allen Sinnesorganen.

Beim Hören sind entsprechende Mechanismen tätig. Liest man zum Beispiel konzentriert in einem Straßencafé ein Buch, kann das Gehirn die gesamte Aufmerksamkeit auf den Inhalt des Buches lenken, der umgebende Verkehrslärm ist völlig ausgeblendet. Diese Schmerzfilter werden im Hirnstamm angenommen. Die Steuerung erfolgt über Botenstoffe, die diese öffnen und schließen können. Als besonders wichtiger Botenstoff wird das in Speichern angelegte Serotonin angesehen, das damit ständig für die Regulation der Filter zur Verfügung steht. Bestehen kurzzeitige, außergewöhnliche Belastungen für den Organismus, kann es vorübergehend zu einem zu starken Verbrauch der Botenstoffe kommen. Solche Belastungen können zum Beispiel besonderer körperlicher oder psychischer Stress sein. Die Schmerzinformationen aus den Muskeln müssen permanent reguliert werden, und ein übermäßiger Verbrauch der Nervenbotenstoffe im Gehirn ist die Folge. Auch zu wenig Schlaf kann für die Beschwerden verantwortlich sein.

In diesen Situationen liegt ein vorübergehender Mangel an Nervenbotenstoffen vor, die die Schmerzfilter normalerweise steuern. Die Folge ist eine vorübergehend zu starke Öffnung der Filter und ein dadurch verursachtes ungesteuertes Einströmen der Schmerzinformationen in das Gehirn. Ruhe und Entspannung führen zu einem reduzierten Verbrauch und einer ungestörten Nachproduktion. Die Speicher können sich wieder auffüllen, und eine normale Regulation kann sich wieder einstellen.

Schmerzmittel können die kurzzeitige Erschöpfung durch verstärkte Aktivierung der Nervenbotenstoffe ausgleichen. Die ständige Einnahme hat eine permanente Aktivierung der Nervenbotenstoffe zur Folge, und es kommt zu einem kontinuierlich starken Verbrauch. Die Folgen sind ein dauerhafter Mangel an Nervenbotenstoffen und ein ständiger Kopfschmerz, der medikamenteninduzierte Dauerkopfschmerz. Erst nach einem mehrtägigen Entzug der Schmerzmittel und einer Zeit zur Neubildung der Botenstoffe können die Schmerzfilter wieder normal arbeiten, nachdem die Speicher aufgefüllt wurden.

Beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp ist der vorübergehende Mangel an Nervenbotenstoffen in einen dauernden übergegangen. Die Folge ist ein permanenter, zumeist täglicher Kopfschmerz.

Schmerzabwehrstörungen im Überblick

  • Bei manchen Patient*innen findet sich keine Ursache. Möglicherweise kann ein verstärkter Verbrauch der Nervenbotenstoffe verantwortlich sein, ebenso ein zu langsames Neubilden. Es ist möglich, dass diese spezifische Eigenart ein angeborenes Charakteristikum ist
  • Funktionsstörungen des Kauapparates gehen mit einem hohen Verbrauch von Botenstoffen einher. Solche Störungen machen sich bemerkbar durch Kiefergelenkgeräusche bei Bewegungen des Kiefers, eingeschränkte Beweglichkeit oder Schmerzen bei Bewegungen, Zähneknirschen oder permanentes starkes Zusammenbeißen der Zähne
  • Verschiedenste psychosoziale Stresssituationen können mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp einhergehen. Dazu zählen partnerschaftsbezogener und familiärer Stress, Stress im Beruf, finanzieller Stress, Stress bei körperlichen Erkrankungen oder Verletzungen und Stress bei Entwicklungskonflikten (Pubertät ...)
  • Angst vor Gefahren geht mit einer erhöhten Aktivierung und Arbeitsbereitschaft des Körpers einher. In dieser Situation werden die oben beschriebenen Nervenbotenstoffe besonders stark verbraucht. Zu unterscheiden sind Existenzängste (zum Beispiel Todesangst), Leistungsangst (zum Beispiel Prüfungen) und soziale Angst (zum Beispiel Schüchternheit)
  • Es gibt viele Hinweise, dass Depressionen ebenfalls durch eine Störung von Nervenbotenstoffen im Gehirn entstehen. Tatsächlich sind bestimmte Medikamente gegen Depressionen, die die verbrauchten Botenstoffe wieder verstärkt zur Verfügung stellen, auch beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp wirksam
  • Muskulärer Stress wird zum Beispiel durch ungünstige Arbeitspositionen oder schlechte Betteinrichtungen verursacht. Er kann jedoch auch durch einen Mangel an Schlaf oder Ruhepausen mit Entspannung bedingt sein
  • Wie oben beschrieben, führt eine zu häufige Einnahme von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln ebenfalls zu einer Störung der Schmerzfilter und kann Beschwerden im Sinne eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp bewirken. Schwellenmengen für die Entstehung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes liegen bei täglicher Einnahme zum Beispiel von drei Tabletten ASS oder Paracetamol

Was kann man gegen Spannungskopfschmerzen tun?

Ähnlich wie bei der Migräne spielen Entspannungsverfahren wie die Muskelentspannung nach Jacobsen eine entscheidende Rolle in der Vorbeugung von Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Kurse für Entspannungsverfahren bieten die örtlichen Volkshochschulen an. Mit Hilfe von Online-Angeboten können diese Verfahren auch selbständig erlernt werden. Aufgrund der großen emotionalen Beeinflussung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp ist es von besonderer Bedeutung, dass Patient*innen in der Lage sind, ihre Emotionen, Ängste und psychosozialen Situationen zu kontrollieren. Ein Stressbewältigungstraining kann hier einen guten Beitrag leisten.

Krankengymnastik und Physiotherapie, lokale Anwendung von Wärme und das Auftragen ätherischer Öle (Pfefferminzöl) können ebenso wie Arbeitsplatz- oder Schlafplatzveränderungen helfen, muskulären Stress abzubauen. Bestehen Begleiterkrankungen wie Kiefererkrankungen oder psychiatrische Störungen wie Depressionen, sollte die Behandlung ursächlich durch die betreffenden Spezialisten und Spezialistinnen erfolgen.

Akute Kopfschmerzen - Tipps zur Behandlung

Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen und Naproxen sind Schmerzmittel mit guter Wirksamkeit zur Behandlung akuter Kopfschmerzepisoden. Die Einnahme sollte jedoch im Monat nicht häufiger als an zehn Tagen erfolgen, um der Entstehung von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen entgegenzutreten. Eine sehr gute Alternative ist das großflächige Auftragen von Pfefferminzöl (zum Beispiel Euminz N ® ) im Bereich der schmerzhaften Kopfpartien. Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit der von Schmerzmitteln. Weitere Tipps zur Behandlung von akuten Kopfschmerzen, lesen Sie im Folgenden.

Vorbeugende Behandlung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp

Zur vorbeugenden Behandlung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp haben sich so genannte trizyklische Antidepressiva besonders bewährt. Diese Substanzen führen bei regelmäßiger Einnahme zur Wiederauffüllung erschöpfter Botenstoffspeicher und helfen damit, die körpereigenen Schmerzregulationssysteme in ihrer Funktion zu normalisieren. Wirksame Substanzen sind die trizyklischen Antidepressiva:

  • Amitriptylin (z. B. Saroten ® )
  • Clomipramin (z. B. Anafranil ® )
  • Doxepin (z. B. Aponal ® )
  • Trimipramin (z. B. Stangyl ® )

Antidepressiva werden nicht zur Behandlung der akuten Kopfschmerzepisoden, sondern zu deren Vorbeugung verwendet. Aus diesem Grunde ist eine regelmäßige Einnahme über einen festgelegten Zeitraum, meist sechs bis neun Monate, erforderlich. Die medikamentöse Vorbeugung kann jedoch nur ein Baustein des Gesamtkonzepts einer erfolgreichen Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp sein.

Medikamente für akute Kopfschmerzen

Die genannten Methoden der Vorbeugung ohne Medikamente sind bei vielen Menschen äußerst effektiv und sollten unbedingt immer zuerst genutzt werden. Wenngleich sie oft die Häufigkeit und Schwere der Kopfschmerzen reduzieren – ein Leben ganz ohne Kopfschmerzmittel können sie meist nicht garantieren. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, dass der Patient/die Patientin genau weiß, wie er welche Medikamente einnehmen sollte und worauf er dabei besonders achten muss. Schmerzmittel können selbst zu Kopfschmerzen führen, wenn sie falsch eingenommen werden.

Bei zu häufigem Gebrauch von Medikamenten zur Behandlung von Kopfschmerzen kann ein so genannter medikamenteninduzierter Kopfschmerz entstehen. Es handelt sich dabei um einen diffusen und pulsierenden Dauerkopfschmerz ohne die typischen Begleitsymptome der Migräne. Der Verdacht, dass die Kopfschmerzbehandlung selbst die Kopfschmerzen auslöst, muss immer dann erwogen werden, wenn

  • Kopfschmerzmedikamente länger als drei Monate an mehr als zehn Tagen pro Monat eingenommen werden,
  • mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat bestehen und
  • eine Kopfschmerzbesserung innerhalb von zwei Monaten nach einer Einnahmepause auftritt

Die wenigsten Menschen kommen auf die Idee, dass ihr Kopfschmerz durch die regelmäßige Einnahme von Kopfschmerzmedikamenten in seiner Häufigkeit, Hartnäckigkeit und Dauer zugenommen haben könnte. Im Gegenteil versuchen die Betroffenen sogar ständig, das eine Medikament zu finden, das all ihre Beschwerden löst. Aus diesem Grunde werden sehr häufig die Medikamente gewechselt und neue Substanzen ausprobiert. Häufig besteht auch Angst vor wirksamen Medikamenten, in der Annahme, dass das, was gut wirkt, auch stark sein muss. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Potente Migränemittel wirken wie ein Sicherheitsschlüssel ohne viel Kraft in einem Sicherheitsschloss, sie sind verträglicher als häufig eingenommene so genannte "milde" Schmerzmittel.

Unmittelbarer Grund für die kontinuierliche Medikamenteneinnahme ist der Entzugskopfschmerz, der mit dem Nachlassen der Medikamentenwirkung einsetzt. Bei den meisten Patient*innen ist dieser Kopfschmerz von mittlerer bis starker Intensität. Er wird von Übelkeit, Erbrechen, Angst und Unruhe, Kreislaufstörungen, Schwindel und teilweise sogar Fieber begleitet. Die Einnahme von ein bis zwei Tabletten behebt häufig diese Qual – leider nur vorübergehend für die nächsten Stunden – und führt gleichzeitig dazu, dass die Symptome von Mal zu Mal langsam, aber stetig schlimmer werden.

Medikamentenpause als Therapie

Bei einem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz wird heute eine so genannte Medikamentenpause durchgeführt. Eine Medikamentenpause muss gegebenenfalls stationär durchgeführt werden, da die häufig auftretenden so genannten Rebound- oder Umstellungskopfschmerzen während der Medikamentenpause zu Hause zu einer erneuten Schmerzmitteleinnahme führen können. In der Behandlung durch spezialisierte Ärzte beziehungsweise Ärztinnen oder Kliniken wird die Dauereinnahme der Kopfschmerzmedikamente von einem auf den nächsten Tag abgebrochen. Zur Beseitigung des darauf einsetzenden Umstellungskopfschmerzes erhält der Patient/die Patientin Medikamente, welche die verbrauchten Botenstoffe wieder vermehrt zur Verfügung stellen.

Begleitend werden dem Patienten/der Patientin in einem verhaltensmedizinischen Programm Konzepte vermittelt, um den Kopfschmerzen durch nichtmedikamentöse Maßnahmen vorzubeugen. Darüber hinaus lernt der Patient/die Patientin selbstverständlich auch den angemessenen Umgang mit Kopfschmerzmedikamenten, so dass der/die Betroffene anschließend in der Lage ist, Medikamente gezielt und richtig dosiert einzusetzen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der verhaltensmedizinischen Vorbeugung der Kopfschmerzen ohne Medikamente.

Wenn Sie folgende kritische Schwellen beachten, können Sie medikamenteninduzierten Kopfschmerzen weitgehend vorbeugen:

Schwelle Nr. 1: Zeitliches Einnahmeverhalten. Nehmen Sie Kopfschmerzmittel an nicht mehr als zehn Tagen pro Monat ein.

Schwelle Nr. 2: Kopfschmerzhäufigkeit. Versorgen Sie sich nicht selbst mit Medikamenten, wenn Sie an mehr als zehn Tagen pro Monat Kopfschmerzen haben. Gehen Sie zum Arzt bzw. zur Ärztin!

Schwelle Nr. 3: Analgetikazubereitung und -art. Nehmen Sie keine Medikamente mit zwei oder mehr Wirkstoffen ein (und keine Opioidanalgetika bei Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp). Das Hinzufügen von Substanzen zu den eigentlichen Wirkstoffen des Schmerzmittels (hinzugefügt werden beispielsweise Codein, Coffein, Ethenzamid, Thiamin, Chinin, Salacetamid und andere) verstärkt nicht deren Wirksamkeit gegen Kopfschmerzen, erhöht jedoch das Nebenwirkungsrisiko und die Gefahr psychischer Gewöhnung.

Fazit

Grundsätzlich gilt: Kopfschmerzen lassen sich durch gute Vorbeugemaßnahmen und durch eine gute Behandlung reduzieren, wenn nicht sogar vermeiden. Die Bewältigung von Stress oder Ängsten leistet einen Beitrag, Kopfschmerzen vom Spannungstyp zu reduzieren. Auch Vorbeugemaßnahmen, wie Yoga, Thai Chi oder progressive Muskelrelaxation, sowie ein regelmäßiger Tagesablauf können helfen, Migräneanfälle zu vermeiden. Zur Behandlung von Kopfschmerzen greifen viele Menschen zu Schmerzmitteln, doch dabei gilt Vorsicht: Schmerzmittel sollten erst nach Ausschöpfen aller übrigen Mittel Anwendung finden, da eine zu häufige Schmerzmitteleinnahme beispielsweise Dauerkopfschmerzen hervorrufen kann.

Sollten Sie länger beziehungsweise öfter unter Kopfschmerzen oder einem Migräneanfall leiden, suchen Sie unbedingt einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin auf.

Häufige Fragen

Brauche ich ein MRT bei Migräne?

Meist nein. Bei typischem Verlauf und ohne Warnzeichen ist Bildgebung nicht nötig. Bei Symptomen sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, welche*r das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen kann.

Ich bin über 65 – darf ich Triptane nehmen?

Das ist möglich, wenn das individuelle Risiko (Herz/Kreislauf) passt. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt. Alternativen ohne Gefäßverengung sind Lasmiditan und Rimegepant.

Darf man während der Schwangerschaft oder Stillzeit etwas gegen Migräne einnehmen?

Einige Mittel sind nicht geeignet (zum Beispiel Topiramat zur Vorbeugung). Lassen Sie sich am besten bei einer Ärztin oder einem Arzt individuell beraten.

Helfen Bewegung, Entspannung & Co. wirklich?

Ja. Ausdauersport und Entspannungsverfahren können Attacken seltener machen und die Kontrolle verbessern.

Wie oft darf ich Akutmedikamente nehmen?

Als grobe Regel gilt Triptane/Kombis weniger als 11 Tage im Monat, einfache Schmerzmittel weniger als 15 Tage im Monat. Sonst riskieren Sie Kopfschmerzen durch zu viele Medikamente.

Lohnt sich ein Kopfschmerztagebuch?

Ja, einfach Kopfschmerztagebuch macht durchaus Sinn, um Muster (zum Beispiel Auslöser, Zyklus, Schlaf) zu erkennen. Das macht die Behandlung einfacher.

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