Diagnose und Behandlung von Diabetes bei Kindern
Wie kann Diabetes bei Kindern festgestellt werden?
Wird Kinderdiabetes nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, kann es zu einer Ketoazidose kommen. Dies ist eine schwere Stoffwechselentgleisung, die ohne schnelle medizinische Hilfe zu einem lebensgefährlichen diabetischen Koma führen kann.
Um Diabetes bei Ihrem Nachwuchs feststellen zu können, muss zunächst eine morgendliche Nüchternblutentnahme erfolgen, um den Nüchternblutzuckerwert zuverlässig zu bestimmen. Um Messfehler und Schwankungen ausschließen zu können, sollte die Messung mindestens ein zweites Mal erfolgen. Liegen die Ergebnisse wiederholt über 126 mg/dl, kann dies für eine Diabetes-Erkrankung sprechen.
Geht es Ihrem Kind jedoch sehr schlecht, sollte schnellstens ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufgesucht oder ein Notarzt/eine Notärztin gerufen werden, der/die eine sofortige (auch nicht nüchterne) Glukosemessung vornehmen und weitere Hilfe leisten kann.
Folgende weitere diagnostische Tests werden in der Regel durchgeführt:
- Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c): Sind die Blutzuckerwerte wiederholt oder anhaltend zu hoch, lagern sich zirkulierende Zuckermoleküle an den roten Blutfarbstoff - das Hämoglobin - an und es entsteht gezuckertes (glykosyliertes) Hämoglobin. Der HbA1c-Wert gibt die Höhe des Blutzuckers in den letzten acht bis zwölf Wochen an. Bei einem Wert von über 6,5 Prozent bzw. 48 mmol/mol liegt ein Diabetes mellitus vor
- Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Das ist ein Zucker- oder Glukosebelastungstest, der prüft, wie gut der Körper eine größere Menge Zucker verarbeiten kann. Hierzu erfolgt zunächst eine Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers. Anschließend wird der Patient gebeten, ein Glas konzentrierte Zuckerlösung zu trinken. Diese besteht aus 75 g Glukose gelöst in 250 bis 300 ml Wasser. Für kleinere Kinder wird die Menge je nach Körpergewicht berechnet. Jeweils nach einer und zwei Stunden misst der Arzt erneut den Blutzuckerspiegel. Werden bestimmte Grenzwerte des Blutzuckers vor und nach dem Trinken der Zuckerlösung überschritten, spricht dies mit hoher Wahrscheinlichkeit für Diabetes. Der oGTT gehört zur Routine-Diagnostik bei Verdacht auf Diabetes mellitus Typ 2. Bei Diabetes mellitus Typ 1 ist er eher schädlich und sollte nicht angewendet werden.
- Urinuntersuchung: Ergänzend kann zur Abklärung von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen eine Urinuntersuchung durchgeführt werden. Scheidet der Körper vermehrt Zucker mit dem Urin aus (Glukosurie), ist dies ebenfalls ein Hinweis auf eine gestörte Glukosetoleranz
- Antikörper-Suchtest: Ist der Diabetes bei Kindern und Jugendlichen nicht eindeutig dem Typ 1 zuzuordnen, bringt ein Antikörper-Suchtest Klarheit. Hierbei wird das Blut des Patienten auf Autoantikörper untersucht, die bei Diabetes mellitus Typ 1 typisch und bei Typ 2 nicht nachweisbar sind
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Kinder und Jugendliche?
Die Erstbehandlung bei einem erkennbar gewordenen Diabetes mellitus Typ 1 sollte stationär erfolgen - einerseits wegen der notwendigen Stoffwechseleinstellung und andererseits, um den kleinen Patienten eine ausführliche, altersgerechte Schulung im Umgang mit der Erkrankung zu ermöglichen. Wichtig ist, dass sowohl das Kind als auch die Familie einen individuellen Therapie- und Verhaltensplan erarbeiten. Bei der Behandlung des Typ-1-Diabetes muss das fehlende Insulin ersetzt werden (Insulinsubstitution), um eine normale körperliche und psychische Entwicklung zu ermöglichen. Das heißt, die Kinder spritzen sich ein Leben lang Insulin oder erhalten eine Insulinpumpe, die sie laufend mit Insulin versorgt.
Allerdings muss heute niemand mehr den Blutzuckerwert durch Fingerstechen ermitteln. Heutzutage gibt es moderne Messsysteme, die dabei helfen, den Zuckerwert im Blick zu behalten. Ein kleiner Sensor wird am Oberarm befestigt und misst vollkommen schmerzfrei und zuverlässig permanent den Zuckerwert. Die Werte werden an ein Lesegerät oder eine Smartphone-App übermittelt.
Beim Diabetes mellitus Typ 2 wird in einem ersten Behandlungsansatz zunächst versucht, den Patienten zu körperlicher Aktivität und einer Gewichtsabnahme zu bewegen. Lässt sich das Kind oder der Jugendliche nicht motivieren oder fruchten diese Maßnahmen aus anderen Gründen nicht, wird auf eine medikamentöse Therapie gesetzt. Anfänglich werden orale Antidiabetika wie beispielsweise Metformin eingesetzt. Dadurch wird die Wirkung des vorhandenen Insulins durch eine Hemmung der körpereigenen Zuckerproduktion verbessert. Bei ausbleibender Normalisierung der Zuckerwerte wird Insulin verabreicht.