Diabetes bei Kindern: Das ist wichtig zu wissen!

Bei Kindern und Jugendlichen gilt Diabetes mellitus als die häufigste Stoffwechselerkrankung. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt weltweit deutlich an - besonders der Anteil an Kleinkindern, die an Diabetes mellitus Typ 1 erkranken. Doch auch die Zahl an Typ-2-Diabetes erkrankten Kindern nimmt stetig zu. Dabei ist die Diagnose Diabetes besonders für die Eltern der Betroffenen meist ein Schock. Doch aufgrund modernster Behandlungsmethoden sowie einer flexibel gestalteten und individuell angepassten Therapie der Erkrankung wird eine möglichst normale Kindheit und dementsprechend ein normales Leben ermöglicht.

Welche Arten von Diabetes treten bei Kindern auf?

Die Diabetes-Typen sind bei den Kleinen ähnlich wie bei Erwachsenen. Sie umfassen

Prädiabetes: Prädiabetes liegt bei einer beeinträchtigten Glukoseregulierung vor, die zu einem hohen Blutzuckerspiegel führt, der allerdings nicht hoch genug ist, um als Kriterium für Diabetes zu gelten. Dies ist ein wichtiges Warnzeichen bei Kindern, die das Risiko tragen, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln. Vor allem bei adipösen (also stark übergewichtigen) Jugendlichen kann der Prädiabetes vorübergehend sein oder sich zu einem manifesten Diabetes entwickeln - vorwiegend, wenn die Kinder und Jugendlichen anhaltend an Gewicht zunehmen.

Diabetes mellitus Typ 1: Im Jahr 2022 (Springer Nature: Stand 6/2024) gab es in Deutschland mehr als 34.500 unter 18-Jährige, die an Typ-1-Diabetes erkrankt waren. Dieser Diabetes-Typ ist eine Autoimmunkrankheit, bei der die Bauchspeicheldrüse aufgrund einer autoimmunen Zerstörung kein Insulin produziert. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das die Aufnahme der Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen vermittelt und dadurch den Blutzuckerspiegel senkt. Oftmals zeigen sich erste Symptome, wenn bereits mehr als 80 Prozent der Insulin-produzierenden Beta-Zellen (Inselzellen) in der Bauchspeicheldrüse zerstört sind. Es ist die häufigste Art bei Kleinkindern und kann sich zu jedem Zeitpunkt während der Kindheit entwickeln. Das Risiko weiterer Autoimmunkrankheiten, insbesondere bestimmten Formen von Schilddrüsenerkrankungen und Zöliakie, einer Glutenunverträglichkeit, ist bei Diabetes-Typ-1-Erkrankten erhöht.

Diabetes mellitus Typ 2: Übergewicht und Adipositas, körperliche Inaktivität und auch das Rauchen im Jugendalter erhöhen das Risiko einer Erkrankung. Etwa 1000 Kinder und Jugendliche in Deutschland hatten 2022 Diabetes mellitus Typ 2 (Springer Nature: Stand 6/2024). Tendenz steigend. Bei Diabetes mellitus Typ 2 lassen Übergewicht und Fettleibigkeit den Insulinbedarf ständig ansteigen. Eine Insulinresistenz entsteht, da die Zellen unempfindlicher gegen den Botenstoff Insulin werden. Die Folge: Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr Insulin produzieren, um den Nahrungszucker noch aufnehmen zu können. Ein hoher Insulinspiegel führt zu weiterer Unempfindlichkeit der Zellen gegen das Insulin. Den Körperzellen fehlt der Zucker und sie signalisieren der Bauchspeicheldrüse, weiter Insulin zu produzieren. Der Insulinspiegel steigt weiter an, bis die Bauchspeicheldrüse erschöpft ist und kein Insulin mehr herstellt. Eine Umstellung der Lebensweise ist hier unumgänglich.

Was sind die Ursachen für Diabetes bei Kindern und Jugendlichen?

Die Ursachen von Diabetes hängen von der Form der Krankheit ab. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Warum das Immunsystem der kleinen Patienten gegen körpereigenes Gewebe vorgeht, ist allerdings noch nicht klar. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass genetische Faktoren eine Rolle dabei spielen. Übergewicht, Fettleibigkeit, falsche Ernährung sowie Bewegungsmangel gelten neben einer erblichen Veranlagung als die hauptsächlichen Risikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes. Die genauen Ursachen sind auch hier nicht bekannt.

Welche Symptome zeigen sich bei Kindern mit Diabetes?

Die ersten Warnzeichen bei Kindern und Jugendlichen sind:

  • Ständiger Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsabnahme
  • Stetige Müdigkeit

Weiterhin können Heißhunger sowie eine reduzierte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit auftreten. Einige Betroffene klagen über Kopf- oder Bauchschmerzen. Andere, vor allem Kleinkinder, nässen nachts wieder ein.

Die Gefahr einer Ketoazidose (eine gefährliche Stoffwechselentgleisung aufgrund von starkem Insulinmangel, bei der der Körper übersäuert) besteht, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig diagnostiziert wird, beispielsweise, weil die Symptome nicht sehr ausgeprägt sind. Anzeichen für eine Ketoazidose sind Übelkeit, Erbrechen, Schwäche, angestrengte Atmung und ein Acetongeruch in der Atemluft. Siehe auch: die Ketoazidose-Präventionskampagne der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Eine der häufigsten akuten Komplikationen ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie), die bei Kindern mit Diabetes unter Insulintherapie vorkommt. Dazu kann es bei einer ungewöhnlich starken körperlichen Belastung kommen oder wenn sich das Kind oder der Jugendliche versehentlich zu viel Insulin spritzt. Symptome bei einer Unterzuckerung sind beispielsweise Schwitzen, Schwindel, Herzklopfen, zitternde Hände und ein ausgeprägtes Schwächegefühl. Eine schnelle Lösung ist dabei Traubenzucker, den die Kinder und Jugendlichen immer bei sich haben sollten, um den Blutzucker im Falle einer leichten Hypoglykämie schnell anheben zu lassen.

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Diagnose und Behandlung von Diabetes bei Kindern

Wie kann Diabetes bei Kindern festgestellt werden?

Wird Kinderdiabetes nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, kann es zu einer Ketoazidose kommen. Dies ist eine schwere Stoffwechselentgleisung, die ohne schnelle medizinische Hilfe zu einem lebensgefährlichen diabetischen Koma führen kann.

Um Diabetes bei Ihrem Nachwuchs feststellen zu können, muss zunächst eine morgendliche Nüchternblutentnahme erfolgen, um den Nüchternblutzuckerwert zuverlässig zu bestimmen. Um Messfehler und Schwankungen ausschließen zu können, sollte die Messung mindestens ein zweites Mal erfolgen. Liegen die Ergebnisse wiederholt über 126 mg/dl, kann dies für eine Diabetes-Erkrankung sprechen.

Geht es Ihrem Kind jedoch sehr schlecht, sollte schnellstens ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufgesucht oder ein Notarzt/eine Notärztin gerufen werden, der/die eine sofortige (auch nicht nüchterne) Glukosemessung vornehmen und weitere Hilfe leisten kann.

Folgende weitere diagnostische Tests werden in der Regel durchgeführt:

  • Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c): Sind die Blutzuckerwerte wiederholt oder anhaltend zu hoch, lagern sich zirkulierende Zuckermoleküle an den roten Blutfarbstoff - das Hämoglobin - an und es entsteht gezuckertes (glykosyliertes) Hämoglobin. Der HbA1c-Wert gibt die Höhe des Blutzuckers in den letzten acht bis zwölf Wochen an. Bei einem Wert von über 6,5 Prozent bzw. 48 mmol/mol liegt ein Diabetes mellitus vor
  • Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Das ist ein Zucker- oder Glukosebelastungstest, der prüft, wie gut der Körper eine größere Menge Zucker verarbeiten kann. Hierzu erfolgt zunächst eine Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers. Anschließend wird der Patient gebeten, ein Glas konzentrierte Zuckerlösung zu trinken. Diese besteht aus 75 g Glukose gelöst in 250 bis 300 ml Wasser. Für kleinere Kinder wird die Menge je nach Körpergewicht berechnet. Jeweils nach einer und zwei Stunden misst der Arzt erneut den Blutzuckerspiegel. Werden bestimmte Grenzwerte des Blutzuckers vor und nach dem Trinken der Zuckerlösung überschritten, spricht dies mit hoher Wahrscheinlichkeit für Diabetes. Der oGTT gehört zur Routine-Diagnostik bei Verdacht auf Diabetes mellitus Typ 2. Bei Diabetes mellitus Typ 1 ist er eher schädlich und sollte nicht angewendet werden.
  • Urinuntersuchung: Ergänzend kann zur Abklärung von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen eine Urinuntersuchung durchgeführt werden. Scheidet der Körper vermehrt Zucker mit dem Urin aus (Glukosurie), ist dies ebenfalls ein Hinweis auf eine gestörte Glukosetoleranz
  • Antikörper-Suchtest: Ist der Diabetes bei Kindern und Jugendlichen nicht eindeutig dem Typ 1 zuzuordnen, bringt ein Antikörper-Suchtest Klarheit. Hierbei wird das Blut des Patienten auf Autoantikörper untersucht, die bei Diabetes mellitus Typ 1 typisch und bei Typ 2 nicht nachweisbar sind

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Kinder und Jugendliche?

Die Erstbehandlung bei einem erkennbar gewordenen Diabetes mellitus Typ 1 sollte stationär erfolgen - einerseits wegen der notwendigen Stoffwechseleinstellung und andererseits, um den kleinen Patienten eine ausführliche, altersgerechte Schulung im Umgang mit der Erkrankung zu ermöglichen. Wichtig ist, dass sowohl das Kind als auch die Familie einen individuellen Therapie- und Verhaltensplan erarbeiten. Bei der Behandlung des Typ-1-Diabetes muss das fehlende Insulin ersetzt werden (Insulinsubstitution), um eine normale körperliche und psychische Entwicklung zu ermöglichen. Das heißt, die Kinder spritzen sich ein Leben lang Insulin oder erhalten eine Insulinpumpe, die sie laufend mit Insulin versorgt.

Allerdings muss heute niemand mehr den Blutzuckerwert durch Fingerstechen ermitteln. Heutzutage gibt es moderne Messsysteme, die dabei helfen, den Zuckerwert im Blick zu behalten. Ein kleiner Sensor wird am Oberarm befestigt und misst vollkommen schmerzfrei und zuverlässig permanent den Zuckerwert. Die Werte werden an ein Lesegerät oder eine Smartphone-App übermittelt.

Beim Diabetes mellitus Typ 2 wird in einem ersten Behandlungsansatz zunächst versucht, den Patienten zu körperlicher Aktivität und einer Gewichtsabnahme zu bewegen. Lässt sich das Kind oder der Jugendliche nicht motivieren oder fruchten diese Maßnahmen aus anderen Gründen nicht, wird auf eine medikamentöse Therapie gesetzt. Anfänglich werden orale Antidiabetika wie beispielsweise Metformin eingesetzt. Dadurch wird die Wirkung des vorhandenen Insulins durch eine Hemmung der körpereigenen Zuckerproduktion verbessert. Bei ausbleibender Normalisierung der Zuckerwerte wird Insulin verabreicht.

Was übernimmt die Krankenkasse bei Kinderdiabetes?

Insulinpflichtige Kinder und Jugendliche mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes haben Anspruch auf Blutzuckermessgeräte als Hilfsmittel. Diese sogenannten CGM-Geräte (Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung) sind Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Die dafür benötigten Teststreifen werden von der Krankenkasse bezahlt. Dabei entscheidet der verordnende Arzt beziehungsweise die Ärztin über die Menge der notwendigen Teststreifen. Auch Insulinanaloga werden bei Diabetes-Typ-1-Erkrankten von der Krankenkasse erstattet. Insulinanaloga, auch Kunstinsulin genannt, ist ein gentechnisch hergestelltes Insulin.

Die Kosten für Insulinpens oder Fertigpens sowie für Insulinpumpen tragen bei einer ärztlichen Verordnung die Krankenkassen. Die gesetzlichen Zuzahlungen, die für Arzneimittel und Hilfsmittel anfallen, fallen bei Personen bis 18 Jahren weg.

Häufige Fragen

Wie können Eltern Kinder mit Diabetes unterstützen?

Wichtig ist eine kontinuierliche und umfangreiche Betreuung durch einen Kinderdiabetologen oder eine Kinderdiabetologin und eventuell einen Psychologen/eine Psychologin. Auch die Eltern können unterstützend tätig werden. Sie sollten an den Diabetesschulungen der Kleinen teilnehmen und dabei lernen, wie sie mit der Erkrankung ihrer Kinder umgehen und die Therapie in ihren gemeinsamen Alltag integrieren können.

Besonders am Anfang müssen Eltern noch auf einiges achten: abgewogene und genau überlegte Mahlzeiten, wiederholte Blutzuckermessungen pro Tag, die mehrfachen Insulininjektionen und das Führen eines Diabetes-Tagebuchs. Die Kinder und Jugendlichen sollten dabei stets aufgeklärt und in die Routine eingeschlossen werden. Denn langfristig ist es wichtig, den Nachwuchs zur Selbständigkeit zu führen.

Worauf sollten Eltern von Kindern mit Diabetes achten?

Die Eltern von Kindern mit Diabetes sollten auf eine gesunde Ernährung ihres Kindes achten. Des Weiteren müssen die regelmäßigen Blutzuckermessungen sowie die Verabreichung von Insulin in den Alltag integriert werden. Darüber hinaus können Kinder mit Diabetes jedoch eine nahezu normale Kindheit erleben und wie alle anderen Kinder auch Schule und Kindergarten besuchen.

Welche anderen Krankheiten können im Zusammenhang mit Diabetes auftreten?

Zu den häufigsten Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus zählen beispielsweise Nierenerkrankungen (diabetische Nephropathie), Nervenschäden (diabetische Polyneuropathie) und Netzhauterkrankungen (diabetische Retinopathie). Nervenschäden können in Zusammenhang mit Gefäßschäden, welche ebenfalls Folge eines zu hohen Blutzuckers sein können, das sogenannte diabetische Fuß-Syndrom auslösen. Daher sollten Diabetiker*innen regelmäßig zur Kontrolle beim Augenarzt und Podologen gehen.

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