Zahnbehandlung beim Pferd – Für Pferdezähne mit gutem Biss

Eines der wesentlichsten Merkmale von Pferden ist ihr starkes und markantes Gebiss – vom weichen Weidegras bis zur knackigsten Möhre gibt es nur wenig, was einem Pferdegebiss Probleme bereitet. Dabei ist Zahngesundheit auch für Pferde kein Selbstläufer: Die Reittiere können ebenso wie auch Menschen verschiedenste Probleme mit ihren Zähnen ausbilden, bei denen dann nur erfahrene Pferdezahnärzte und Pferdezahnärztinnen helfen können, die Zahngesundheit der Tiere wiederherzustellen.

Auf dieser Seite widmen wir uns daher der Zahnbehandlung beim Pferd: Wir zeigen Ihnen, was Sie rund um Pferdezahn und Pferdegebiss wissen sollten, welche zahnmedizinischen Probleme im Maul Ihres Tieres auftreten können und wie Sie mit dazu beitragen können, dass Ihr Reittier noch lange kräftig zubeißen kann.

Pferdezahn und Pferdegebiss: Der Aufbau

Um zu verstehen, welche zahnmedizinischen Probleme bei einem Pferd auftreten können, ist es wichtig, den grundlegenden Aufbau eines Pferdegebisses zu verstehen. Dieser sieht wie folgt aus:

  • Hintere Backenzähne (Molare)
  • Vordere Backenzähne (Praemolare)
  • Hengstzahn (Caninus) bei Hengst und Wallach
  • Schneidezähne (Incisivi)
  • Wolfszähne (nicht bei jedem Pferd vorhanden oder sichtbar)

Das Milchzahngebiss eines Pferdes umfasst 24 Zähne - 12 Schneidezähne und 12 Prämolaren. Der Wuchs der Milchschneidezähne folgt dem einfachen "8‑Tage‑, 8‑Wochen‑, 8‑Monate"-Muster:

  • Nach cirka 8 Tagen sind die zentralen Milchschneidezähne sichtbar (manche Fohlen haben sie schon bei der Geburt).
  • Nach cirka 8 Wochen brechen die mittleren Milchschneidezähne durch.
  • Nach cirka 8 Monaten erscheinen die äußeren Milchschneidezähne.

Die Milchschneidezähne werden typischerweise im Alter von 2,5 / 3,5 / 4,5 Jahren durch die bleibenden Schneidezähne ersetzt. Die Molaren, die keine Milchzahn-Vorläufer haben, brechen normalerweise im Alter von neun bis zwölf Monaten, zwei Jahren und dreieinhalb bis vier Jahren durch. Hengstzähne (Canini) zeigen sich meist im Alter zwischen vier und fünf Jahren und das häufiger bei Hengsten und Wallachen, seltener bei Stuten. Wolfszähne als rudimentäre erste Prämolaren können bereits im Alter von fünf bis sechs Monaten erscheinen, manche Pferde haben sie jedoch gar nicht.

Anzeichen von Problemen am Pferdezahn

Wann wird eine Zahnbehandlung beim Pferd nötig?

Generell ist auch für Halter*innen schwierig einzuschätzen, ob mit dem Gebiss ihres Pferdes alles in Ordnung ist oder ob sich vielleicht gerade eine schmerzhafte Entzündung im Mundraum entwickelt. Auf einige Anzeichen können und sollten Sie als Pferdehalter*in dennoch achten:

  • Plötzlicher Gewichtsverlust
  • Langsame und zögerliche Nahrungsaufnahme
  • Wickelkauen (Nahrung fällt aus Maul und wird in Röllchen gekaut)
  • Festanteile und unverdaute Nahrung im Kot
  • Erhöhter Speichelfluss
  • Schlundverstopfung (Feststecken von Nahrung in der Speiseröhre)
  • Mundgeruch
  • Kopfschütteln
  • (Eitriger) Nasenausfluss
  • Sichtbare Verletzungen im Mundraum

Neben diesen Symptomen kann es auch vorkommen, dass die Rittigkeit des Tieres sinkt, da es durch die Schmerzen am Pferdezahn beziehungsweise im Pferdegebiss abgelenkt ist. Treten einzelne oder gar mehrere dieser Symptome auf, sollte also zeitnah eine Zahnbehandlung fürs Pferd beim zuständigen Tierarzt beziehungsweise der zuständigen Tierärztin oder bei spezialisierten Pferdezahnärzten beziehungsweise Pferdezahnärztinnen angesetzt werden.

Mögliche Erkrankungen und Fehlstellungen im Pferdegebiss

Ein Teil der Gründe für Zahnerkrankungen bei Pferden ist den heutigen Haltungsbedingungen der Tiere geschuldet: Durch die Verfütterung von Produkten wie etwa Getreide statt Gras oder Heu kommt es dazu, dass die Kaubewegungen nicht mehr zu einer gleichmäßigen Abnutzung des Gebisses führen. Dies stellt jedoch nur eine von vielen möglichen Fehlstellungen und Funktionsstörungen rund um das Gebiss dar, die eine Zahnbehandlung beim Pferd nötig machen können:

  • Bildung von Buckeln, Haken und Kanten
  • Verschiebung der Schneidezähne (Überbiss und Unterbiss)
  • Fehlabnutzungen und Asymmetrie im Pferdegebiss
  • Ablösen von und Verletzung durch Milchzahnkappen
  • Bildung von Parodontose, Karies und Zahnstein
  • Zahnfleischtaschen
  • Rittigkeitsprobleme durch Wolfszähne
  • Lose Backenzähne ohne weitere Funktion

Eine weitere, sehr gravierende Erkrankung ist unter der Bezeichnung "EOTRH" (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) bekannt. Diese beschreibt eine weitreichende Entzündung des Zahnfleisches, die jedoch meist über lange Zeit unbemerkt bleibt. Am Pferdezahn selbst ist nichts sichtbar, die Entzündung breitet sich jedoch im Zahnfleisch aus. Einzig kleinere Fisteln und Rötungen sind meist auszumachen. EORTH betrifft vor allem Schneide- und Hengstzähne älterer Pferde (13 Jahre und mehr) und ist zwar behandelbar, aber aktuell leider nicht heilbar. Bei fortgeschrittenen Befunden ist die Extraktion betroffener Zähne die Therapie mit der besten Prognose.

Ablauf einer Zahnbehandlung beim Pferd

Aufgrund dieser vielfältigen möglichen Zahnerkrankungen ist es umso wichtiger, dass Sie Ihr Pferd regelmäßig von einem geschulten Tierarzt oder einer Tierärztin untersuchen lassen. Die Untersuchung sowie Behandlung unterteilen sich meist in folgende Abschnitte:

Voruntersuchung am Pferd: Nach der Ankunft des Zahnarztes oder der Zahnärztin findet zunächst eine kurze, allgemeine Betrachtung des Gesundheitszustandes des Pferdes statt. Durch das Gespräch mit dem Pferdehalter beziehungsweise der Pferdehalterin lässt sich gegebenenfalls schon ableiten, ob das Pferd in der letzten Zeit weniger rittig ist als sonst oder anderweitige untypische Verhaltensweisen an den Tag legt.

Fixierung / Sedierung des Pferdes: Damit während der Zahnbehandlung beim Pferd keine Verletzungsgefahr für das Tier oder den Arzt beziehungsweise die Ärztin besteht, wird das Pferd sediert, in einer eigenen Halterung fixiert und mit einem Maulgatter ausgestattet. Letzteres sorgt dafür, dass das Maul während der gesamten Untersuchung offen und gut zugänglich bleibt.

Untersuchung der Maulhöhle: Um Pferdezahn und Gebiss bestmöglich begutachten zu können, wird die Maulhöhle mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet und Bereich für Bereich untersucht. Hierfür muss der Tierarzt oder die Tierärztin häufig mit dem ganzen Arm in das Maul des Tieres greifen. Nur so lassen sich eventuelle Zahnprobleme oder anderweitige Fehlstellungen aufdecken.

Beraspeln der Pferdezähne: Bei Buckeln, Wellen oder scharfen Kanten am Pferdezahn wird heute typischerweise das Gebiss an der entsprechenden Stelle "beraspelt", um diese Unebenheiten abzutragen. Damit normalisiert sich der Biss des Pferdes wieder, ebenso lassen sich auch Trensen wieder schmerzfrei anlegen.

Weiterführende Behandlungen: Bei stark fortgeschrittenen Karies-Erkrankungen oder eventuellen Tumoren im Pferdemaul sind umfassendere Eingriffe notwendig. Diese reichen vom Ziehen der Zähne über Röntgen-Untersuchungen bis hin zu operativen Eingriffen (im Extremfall).

Was kostet eine Zahnbehandlung beim Pferd?

Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT, 2022) und schwanken je nach Aufwand (einfacher bis dreifacher Satz). Einschließlich Sedierung des ausgewachsenen Tieres kostet eine reguläre zahnmedizinische Behandlung beim Pferd – je nach Aufwand – typischerweise zwischen 180 bis 280 Euro. Bei komplizierten Fällen können die Behandlungskosten des zuständigen Tierarztes oder der Tierärztin deutlich höher liegen. Zusätzliche Kosten für Anfahrt und ähnliches können ebenfalls anfallen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, regelmäßige Untersuchungen durchführen zu lassen. So können die Kosten einer Zahnbehandlung beim Pferd nicht durch lange übersehene Fehlstellungen oder andere Problematiken im Pferdegebiss unnötig in die Höhe getrieben werden.

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Regelmäßige Kontolluntersuchungen

Der wichtigste Faktor im Bereich der Vorsorge sind die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Mit ihnen können Sie als Pferdehalter*in sicherstellen, dass mit dem Pferdegebiss Ihres Reittieres alles in Ordnung ist. Ganz wesentlich sind dabei die Untersuchungsintervalle - empfohlene Kontrollintervalle (Richtwerte) sind:

  • Fohlen - erste Kontrolle innerhalb der ersten 30 Tage, danach mit drei Monaten
  • bis fünf Jahre: halbjährliche Zahnbehandlung
  • ab fünf Jahren: jährliche Zahnbehandlung
  • Senioren und Pferde mit einem Problemgebiss: halbjährliche Zahnbehandlung

Achten Sie dabei darauf, dass sich die Intervalle verschieben können, wenn bei Ihrem Pferd beispielsweise bereits ein Problem am Pferdezahn beziehungsweise am Pferdegebiss festgestellt wurde. Hier sind die Empfehlungen der Tierärzte oder der Tierärztinnen zu befolgen.

Haltung & Fütterung

Eine gute Zahngesundheit beginnt mit dem, was und wie Ihr Pferd frisst. Die folgenden Tipps für die Fütterung helfen, die Kaumechanik und den natürlichen Zahnabrieb zu fördern und typische Zahnprobleme wie Zahnlücken mit Futterstau oder Parodontits gar nicht erst entstehen zu lassen:

  • Raufutter (Gras und strukturiertes Heu) als Basis
    Pferdezähne sind für das lange Kauen von faserreichem Futter gemacht. Viel Weidegang und langstieliges Heu fördern die seitlichen Kaubewegungen, Speichelfluss und einen gleichmäßigen Abrieb der Zähne. Studien und Praxisberichte zeigen: Pferde, die überwiegend Gras/Forage aufnehmen, haben seltener dentalbedingte Probleme als Tiere mit stark trocken‑/konzentratlastiger Ration.
  • Kraftfutter mit Maß und in kleinen Portionen
    Konzentratfutter verkürzt die Kaudauer deutlich. Wird viel Kraftfutter in wenigen, großen Mahlzeiten gefüttert, nimmt die natürliche Abrasion ab, während das Risiko für Futterpackungen (und damit Parodontitis) steigt. Wenn Kraftfutter nötig ist, auf mehrere kleine Gaben nach dem Raufutter verteilen.
  • Auf die Faserlänge achten
    Sehr fein gehäckselte Futtermittel und krümelige Mischungen können sich leichter in Zahnzwischenräumen festsetzen und Entzündungen begünstigen – besonders, wenn bereits enge Diastemata vorhanden sind. Hier ist strukturreiches Heu mit ausreichender Halmlänge zu bevorzugen.
  • Fresszeiten verlängern und natürlich kauen lassen
    Längere Fresszeiten mit Raufutter (z. B. per Heunetz mit pferdegerechter Maschenweite) erhöhen die Kauminuten und unterstützen den gleichmäßigen Abrieb. Das ist zahnfreundlicher als kurze, energiereiche Fütterungen.
  • Ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung stellen
    Viel Wasser fördert den Speichelfluss und damit die "Spülung" der Maulhöhle beim Kauen. DAs ist wichtig für ein günstiges Mundmilieu und eine geschmeidige Futteraufnahme.

Fazit

Die Zahngesundheit von Pferden ist essenziell für ihr Wohlbefinden und ihre Leistungsfähigkeit. Fehlstellungen, Entzündungen oder Abnutzungsprobleme können zu Schmerzen und Verhaltensänderungen führen. Eine professionelle Zahnbehandlung durch einen Pferdezahnarzt oder eine Pferdezahnärztin sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – angepasst an das Alter des Tieres – sind daher unerlässlich, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. So bleibt das Gebiss Ihres Pferdes dauerhaft stark und funktionstüchtig.

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