Fieber beim Pferd – Richtiges Verhalten bei erhöhter Temperatur
Pferde sind starke und majestätische Tiere – ihr Immunsystem unterscheidet sich in wesentlichen Punkten aber nicht von dem eines Menschen. Befindet sich ein Erreger im Pferdekörper oder liegt eine Infektion vor, ist das Resultat eine erhöhte Körpertemperatur. Dies ist zunächst eine Abwehrreaktion des Körpers und normal – dennoch sollten Sie als Besitzer oder Besitzerin unbedingt ein Auge darauf haben, wie sich der Zustand Ihres Pferdes entwickelt.
Eine kurzzeitig erhöhte Temperatur beim Pferd muss noch kein Grund zur Beunruhigung sein. Sie kann aber ebenso ein erster Hinweis auf eine ernste Erkrankung sein, die auch entsprechende Symptome und Komplikationen nach sich zieht. In unserem Magazin-Artikel klären wir Sie auf:
- Welche Symptome auf Fieber beim Pferd hindeuten
- Welche Ursachen diese haben können
- Wie Sie beim Pferd Fieber messen
- Wann Sie definitiv einen Tierarzt oder eine Tierärztin zu Rate ziehen sollten.
Ab wann hat ein Pferd Fieber?
Die typische Körpertemperatur eines gesunden, ausgewachsenen Pferdes liegt zwischen 37,0 Grad bis 38,2 Grad Celsius. Handelt es sich um ein Fohlen im Alter von bis zu zwei Jahren, kann auch eine Körpertemperatur von 38,5 Grad bis 39,0 Grad Celsius noch unbedenklich sein. Je jünger das Fohlen, desto höher darf die Körpertemperatur ausfallen. Bei ausgewachsenen Tieren spricht man ab einer Temperatur von 38,5 Grad Celsius von Fieber beim Pferd. Ab ca. 39 Grad Celsius liegt ein hohes Fieber vor.
Dabei ist zu beachten, dass das Fieber für sich genommen lediglich ein Indikator auf eine Infektion oder eine Erkrankung ist. Hier handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Pferdekörpers, über den etwa Viren oder Parasiten bekämpft werden. Je eher diese Ursache bekämpft werden kann, desto besser für das Pferd: Ab einer Körpertemperatur von 41 Grad Celsius kann Fieber beim Pferd - sowie auch beim Menschen - anhaltende körperlichen Schaden verursachen und sogar lebensgefährlich sein.
Fieber beim Pferd: Symptome & Ursachen
Typische Symptome einer Erkrankung
Damit Fieber rechtzeitig ausgemacht und die zugrundeliegende Erkrankung entsprechend behandelt werden kann, ist es wichtig, die Verhaltensweisen des Pferdes richtig zu interpretieren und typische Symptome von Fieber beim Pferd frühzeitig zu erkennen. Dabei können folgende Anzeichen auf eine Erkrankung hindeuten:
- Abgeschlagenheit, Unlust und ungewöhnliche Ruhe (Apathie)
- Geringer Appetit und geringe Wasseraufnahme
- (Starkes) Schwitzen des Pferdes
- Schwere Atmung und Husten
- Nasenausfluss
- Schwellung der Beine und Ödembildung
- Symptome einer Kolik
Wichtig: Einzelne Symptome können auch Anzeichen von starker Anstrengung sein und sind nicht zwingend ein Anzeigen von Fieber beziehungsweise einer Erkrankung. Sollten die Symptome allerdings über mehrere Tage bestehen oder gar schlimmer werden, sollten Sie einen Tierarzt oder eine Tierärztin konsultieren.
Mögliche Ursachen für Fieber beim Pferd
Für eine erhöhte Temperatur beim geliebten Reittier kommen verschiedenste Ursachen in Frage. Hierzu zählen unter anderem die folgenden Punkte:
- Infektionen (Viren, Parasiten und Bakterien)
- Vergiftungen (giftige Pflanzen)
- Allergien
- Tumore
- Hitzschlag
- Impfungen (in Einzelfällen)
In der Regel ist es für Pferdehalter*innen schwierig, eine bestimmte Ursache für Fieber sicher auszuschließen oder festzustellen. Ist Ihr Pferd in letzter Zeit mit unbekannten Pflanzen oder Sträuchern in Kontakt gekommen, so kann dies ein Anzeichen sein. Eine Diagnose muss jedoch von erfahrenen Tierärzt*innen gestellt werden.
Fieber messen beim Pferd
Sechs Tipps zur richtigen Vorgehensweise
Wenn Sie Gewissheit haben wollen, ob ein Fieber beim Pferd besteht, ist die sicherste Variante immer noch das klassische Fiebermessen mit einem entsprechenden Thermometer. Aber: So wichtig das Messen der Temperatur beim Pferd auch sein mag, für das Tier selbst ist diese "Prozedur" ungewohnt und nicht alltäglich.
Es kann also sein, dass sich das Fieber messen beim Pferd schwierig gestaltet, da das Tier unruhig wird oder sogar austritt. Mit diesen Tipps zur richtigen Technik und Herangehensweise sind Sie und Ihr Pferd jedoch auf der sicheren Seite:
1. Entspannte Situation schaffen: Stellen Sie sicher, dass Sie die Temperatur Ihres Pferdes an einem ruhigen Ort ohne Störungen oder Ablenkungen messen können. Gut geeignet ist dafür beispielsweise die eigene, schattige Pferdebox. Gleichzeitig sollten Sie Ihr Pferd auch immer zur Ruhe kommen lassen – vorherige Aktivitäten wie Ausritte können die Messergebnisse verfälschen. Planen Sie daher eine Ruhepause von ungefähr einer Stunde ein, bevor Sie mit der Messung beginnen.
2. Richtige Uhrzeit wählen: Neben dem Ort spielt auch der Zeitpunkt der Messung eine Rolle: Die Innentemperatur eines Pferdekörpers liegt zum Ende des Tages typischerweise höher als am Morgen. Für eine möglichst repräsentative Messung sollten Sie also sowohl morgens als auch abends Fieber messen, am besten über mehrere Tage hinweg. Diese Ergebnisse lassen sich dann gut miteinander vergleichen.
3. Temperatur im After messen: Die zuverlässigsten Messergebnisse der Körpertemperatur eines Pferdes liefert eine Messung im After. Als Fieberthermometer eignen sich sowohl handelsübliche Thermometer als auch spezielle Tier-Thermometer. Durch die Nutzung von Gleitgel (Vaseline) ist die Prozedur angenehmer und das Risiko von Verletzungen sinkt. Wichtig ist, dass Sie das Thermometer die gesamte Zeit über gut festhalten, damit es nicht im After Ihres Pferdes verschwindet.
4. Unterstützung durch zweite Person: Das Fieber messen beim Pferd ist für das Tier eine befremdliche Situation. Aus diesem Grund sollten Sie sich Unterstützung suchen: Im besten Fall lenkt eine zweite Vertrauensperson das Pferd ab, spricht ihm gut zu und hält gleichzeitig das Tier ein wenig fest, um ruckartige Bewegungen zu vermeiden. So wird dem Tier vermittelt, dass alles in Ordnung ist und ihm keine Gefahr droht.
5. Sichere Position bei Messung: Selbst wenn Sie sämtliche Vorsichtsmaßnahmen treffen und Ihr Pferd insgesamt entspannt wirkt, sind bei einer Rektal-Messung der Temperatur Abwehrreaktionen des Pferdes nicht auszuschließen. Darum ist unbedingt darauf zu achten, nicht direkt hinter, sondern seitlich versetzt zum Pferd zu stehen. Tritt das Pferd aus, kann dies schwere Verletzungen zur Folge haben.
6. Zweit-Messung durchführen: Um mögliche Messfehler auszuschließen, sollten Sie im Anschluss an die erste Messung immer auch eine Zweit-Messung durchführen. Warten Sie dafür nach der ersten Messung etwa ein bis drei Minuten und prüfen Sie anschließend nochmal die Temperatur: Ist die Temperatur beide Male identisch und in einem erhöhten Bereich, deutet dies auf Fieber beim Pferd hin.
Wichtig: Wenn die Messung der Temperatur eindeutig auf Fieber schließen lässt, kann es in einzelnen Fällen dennoch andere Ursachen geben. Denkbar ist etwa auch eine Verstopfung, wobei erhitzter Kot das Ergebnis der Messung verfälscht. Bei solch einem Szenario kann aber auch nur ein Tierarzt oder eine Tierärztin Gewissheit bringen.
Fieber beim Pferd: Erste Hilfe und der Tierarzt oder die Tierärztin
Ungeachtet der spezifischen Erkrankung ist es sinnvoll, wenn Sie Ihrem Pferd bei erhöhter Temperatur Ruhe bieten und es so pflegen, dass der Körper sich auf die Abwehr eventueller Krankheiten fokussieren kann. Dafür können Sie einige Maßnahmen ergreifen:
- Ruhe und Schatten: Ausritte und Unternehmungen sind erst einmal tabu, solange Ihr Pferd nicht wieder sicher auf den Hufen steht. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Tier es in seiner Box gemütlich hat und dort zur Ruhe kommt. Gleichzeitig sollten Sie es nach Möglichkeit nicht gänzlich von seinen Artgenossen isolieren, damit dem Pferd nicht die vertrauten Gerüche verlorengehen
- Viel Wasser: Viele Pferde mit Fieber trinken nur unregelmäßig, dabei ist gerade in dieser Stressphase Wasser sehr wichtig für den Pferdekörper. Will Ihr Pferd partout kein normales Wasser trinken, können Sie dieses für mehr Geschmack mit Apfelsaft anreichern. Übertreiben Sie es jedoch nicht mit der Süße – ein geringer Anteil sollte bereits ausreichend sein
- Abkühlung bieten: Bei hohen Körpertemperaturen kann es sein, dass ein Platz im Schatten allein Ihrem Pferd nicht die notwendige Entlastung bieten kann. In solch einem Fall können Sie zum Beispiel auf eine Abschwitzdecke zurückgreifen oder Ihr Pferd sanft mit handwarmem Wasser abduschen. So stehen Sie dem Pferdekörper beim Kampf gegen die innere Hitze bei.
- Tierarzt oder Tierärztin kontaktieren: Wenn Sie sich berechtigte Sorgen um den Gesundheitszustand Ihres Pferdes machen, dann ist der Anruf beim Tierarzt oder bei der Tierärztin immer die sichere Wahl. Hier kann festgestellt werden, inwiefern das Fieber beim Pferd problematisch ist und ob tatsächlich eine Erkrankung vorliegt. In letzterem Fall verschreibt er oder sie entsprechende Medikamente oder auch Behandlungen
Wenn Sie sich unsicher sind, dann orientieren Sie sich an folgendem Schema: Bei leichtem Fieber des Pferdes, das länger als zwei Tage anhält, kontaktieren Sie den Tierarzt oder die Tierärztin. Liegt hohes Fieber vor (ab ungefähr 39 Grad Celsius) melden Sie sich sofort. So haben Sie einen guten Kompromiss und stellen sicher, dass Ihr Pferd gesund bleibt.
Fazit
Fieber beim Pferd ist eine natürliche Abwehrreaktion, kann aber auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Ab 38,5 Grad Celsius spricht man bei ausgewachsenen Pferden von Fieber, ab 39 Grad Celsius von hohem Fieber. Typische Symptome sind:
- Apathie
- Appetitverlust
- Schwitzen
- Husten
Ursachen reichen von Infektionen über Vergiftungen bis zu Hitzeschlag. Die Temperaturmessung erfolgt am zuverlässigsten rektal und sollte mit Ruhe und Vorsicht durchgeführt werden. Bei anhaltendem oder hohem Fieber ist ein Tierarztbesuch unerlässlich, um Komplikationen zu vermeiden und dem Pferd gezielt zu helfen.
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