Das hängt vom individuellen Risiko ab (Rasse, Alter, Anatomie und Pflege). Bei guter Prophylaxe und regelmäßigen Checks sind professionelle Reinigungen oft im Intervall von sechs bis 18 Monaten sinnvoll. Ihre Praxis legt das optimale Intervall fest.
Zahnstein beim Hund: erkennen, vorbeugen & professionel entfernen
Zahnstein beim Hund ist weit mehr als ein kosmetisches Thema. Er entsteht aus verhärteter Plaque, begünstigt Entzündungen des Zahnfleischs und kann unbehandelt zu schmerzhaften Erkrankungen bis hin zum Zahnverlust führen. In unserem Magazin erfahren Sie, wie Zahnstein entsteht, welche Anzeichen Sie ernst nehmen sollten, wie die professionelle Entfernung abläuft, welche Kostenfaktoren realistisch sind und wie Sie mit moderner Prophylaxe wirksam vorbeugen.
Wichtig: Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei Verdacht auf Zahnprobleme lassen Sie Ihr Tier bitte zeitnah in der Praxis untersuchen.
Was ist Zahnstein – und wie entsteht er?
- Plaque (Zahnbelag) bildet sich aus Bakterien, Speichelbestandteilen und Futterresten auf der Zahnoberfläche.
- Wird Plaque nicht regelmäßig mechanisch entfernt (zum Beispiel durch Zähneputzen), lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein – der Belag verhärtet zu Zahnstein (Calculus).
- Zahnstein selbst ist rau und bietet Bakterien eine ideale Oberfläche; dadurch verschlimmert sich die Situation mit der Zeit.
Risikofaktoren
- Fehlende oder unregelmäßige Zahnpflege ist der wichtigste Faktor.
- Anatomie & Genetik: Kleine Rassen haben beispielsweise engere Zahnzwischenräume als größere Rassen.
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko.
- Speichelzusammensetzung & Maulgesundheit: Trockene Schleimhäute, verminderter Speichelfluss, bestehende Zahnfleischentzündung (Gingivitis).
- Kauartikel: Nicht jeder Kaustreifen reinigt. Zu harte Kauartikel (beispielsweise Gewicht tragende Knochen, Geweihe) erhöhen das Frakturrisiko.
Symptome: Woran erkennen Sie Zahnstein beim Hund?
- Verfärbungen: Gelbliche bis bräunliche harte Beläge, häufig zuerst an Backenzähnen und Reißzähnen, oft am Zahnfleischsaum.
- Mundgeruch (Halitosis) ist ein häufiges Frühzeichen.
- Rötung oder Schwellung des Zahnfleischs, Blutungen beim Kauen.
- Schmerzen, verändertes Fressverhalten (Schlingen, Futter fallen lassen oder einseitiges Kauen).
- Fortgeschrittener Status: Wackelnde Zähne, Eiter, Fistelgänge oder Schwellungen.
Wie gefährlich ist Zahnstein für den Hund?
Unbehandelter Zahnstein begünstigt entzündetes Zahnfleisch (Gingivitis) und kann in eine Parodontitis übergehen. Dabei werden Haltestrukturen des Zahns (Zahnfleisch, Bindegewebe und Knochen) geschädigt. Es drohen Zahnlockerung und Zahnverlust, schmerzhafte Abszesse und im Extremfall systemische Auswirkungen durch Bakterien und Entzündungsmediatoren.
Diagnose in der Praxis
- Maulhöhlenuntersuchung inklusive Beurteilung von Plaque/Zahnstein, Zahnfleisch und Okklusion.
- Dentalröntgen (in Narkose) bei Verdacht auf Parodontitis, Wurzelveränderungen, Frakturen oder resorptive Läsionen ist entscheidend für die Therapieplanung.
- Einstufung des Erkrankungsgrads (Gingivitis versus Parodontitis).
Behandlung: So läuft die professionelle Zahnsteinentfernung ab
Eine nachhaltige und schmerzfreie Zahnbehandlung kann nur in der Tierarztpraxis durchgeführt werden un erfolgt unter Allgemeinanästhesie.
Typischer Ablauf
- Narkose & Monitoring: Voruntersuchung, je nach Patient gegebenenfalls Blut-Check; intraoperatives Monitoring (beispielsweise EKG, Pulsoxymetrie, Blutdruck).
- Ultraschall-Scaling: Gründliche Entfernung von Zahnstein ober- und unterhalb des Zahnfleischsaums (supragingival & subgingival).
- Politur: Glättet die Oberfläche, um neue Plaqueanlagerung zu verlangsamen.
- Dentalröntgen: Beurteilung der Zahnwurzeln und Knochensubstanz.
- Therapieentscheidungen: Bei fortgeschrittener Parodontitis oder Frakturen sind eventuell Extraktionen notwendig.
- Abschluss & Plan: Schmerzmanagement, gegebenenfalls Antibiotikatherapie nach Indikation, Prophylaxeplan für zuhause.
Eigenversuche mit Zahnstein-Schabern oder Heim-Ultraschallgeräten sind nicht empfehlenswert. Sie besitzen ein Verletzungs-, Schmerz- und Infektionsrisiko. Auch die Gefahr von Mikroschäden am Zahnschmelz ist nicht gering.
Kosten: Womit sollten bei einer Zahnsteinentfernung beim Hund rechnen?
Die Kosten hängen stark vom Aufwand, der Anästhesie-Dauer, notwendigem Dentalröntgen, Politur, gegebenenfalls Extraktionen und der Region und Praxis ab. Eine einfache professionelle Zahnreinigung (ohne Extraktionen, inklusive Narkose, Monitoring und Dentalröntgen) kann häufig mehrere hundert Euro kosten. Kommen noch Extraktionen und/oder komplizierte Befunde dazu, so kann es noch deutlich teurer werden.
Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT); je nach Schweregrad und Faktor entstehen spürbare Unterschiede.
Tipp: Lassen Sie sich vorab einen Kostenvoranschlag erstellen. Die GOT wurde zuletzt grundlegend novelliert; aktuelle Sätze erfragen Sie am besten direkt in Ihrer Praxis.
Vorbeugung: So bleibt das Hundegebiss gesund
Damit es erst gar nicht zu einer umfangreichen Behandlung und hohen Tierarztkosten kommt, ist eine gründliche Zahnpflege enorm wichtig. Wie auch bei uns Menschen heißt es also: Regelmäßiges Zähneputzen, am besten täglich. Aber bitte nicht die gleiche Zahnpasta und Zahnbürste für Sie und Ihren Hund verwenden! Es gibt spezielle Hundezahnbürsten und Hundezahnpasta, welche geschmacklich für Hunde besser geeignet ist.
Das richtige Futter und die richtigen Snacks können auch helfen, die Bildung von Zahnstein vorzubeugen. Nassfutter begünstigt tatsächlich die Bildung von Zahnbelag. Trockenfutter und spezielle Kaustangen hingegen unterstützen die Zahnreinigung durch die Reibung, die beim Essen entsteht. Achten Sie darauf, dass die Kausnacks nicht viel Zucker enthalten.
Um die Speichelbildung zu fördern und somit die natürliche Zahnreinigung zu unterstützen eignen sich auch Kauspielzeuge, viel Bewegung und viel Wasser.
Häufige Fragen bezüglich Zahnstein beim Hund (FAQ)
Wie oft muss Zahnstein entfernt werden?
Kann man Zahnstein beim Hund selbst entfernen?
Nein. Ohne Narkose ist eine vollständige, schmerzfreie und subgingivale Reinigung nicht möglich. Eigenversuche riskieren Verletzungen, Schmerzen und Infektionen.
Zahlt die Hundekrankenversicherung die Zahnsteinentfernung?
Ja. In den Tarifvarianten Top, Premium und Premium Plus gibt es Zuschüsse für Vorsorgeleistungen und Zahnbehandlungen.
Hilft mehr Bewegung gegen Zahnstein?
Bewegung ist wichtig für die Gesundheit, hat aber keinen direkten, gesicherten Einfluss auf Zahnsteinbildung. Entscheidend sind Zahnpflege und geeignete Dentalprodukte.
Ab wann sollte man mit dem Zähneputzen beginnen?
Am besten ab dem Junghundealter, sobald das bleibende Gebiss da ist – so wird es zur Gewohnheit.
Fazit
Zahnstein beim Hund ist häufig – aber gut zu managen. Mit täglicher Zahnpflege, regelmäßigen Checks in der Praxis und gegebenenfalls VOHC‑zertifizierten Produkten lassen sich Entzündungen, Schmerzen und hohe Folgekosten wirksam verhindern. Wird eine professionelle Reinigung nötig, sorgt die Behandlung unter Narkose für eine gründliche, schmerzfreie Sanierung – inklusive Politur, Dentalröntgen und gezielter Therapie. Mit einer passenden Tierkrankenversicherung müssen Sie sich außerdem keine Sorgen um zu hohe Tierarztkosten machen.
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