Der richtige Umgang mit älteren Hunden
Altersschwäche bei Hunden: Grund zur Sorge?
Wie beim Menschen ist Altern ein ganz natürlicher Vorgang. Entscheidend ist, Veränderungen wahrzunehmen und sich den Bedürfnissen des Hundes anzupassen. Bei einem weniger stark ausgeprägten Bewegungsbedürfnis ist wichtig, dennoch regelmäßig Gassi zu gehen. Allerdings sollte die Häufigkeit und Länge der Runden an den Hund angepasst werden. Genauso verhält es sich mit dem Spielen und anderen Beschäftigungen.
Wichtig ist, auf Veränderungen zu achten, die Auswirkungen auf das tägliche Leben haben. Dies können beispielsweise Einschränkungen der Seh- und Hörfähigkeit sein. Wenn Sie merke, dass Ihr Hund auf äußere Reize verzögert reagiert, sollten Sie die täglichen Abläufe dahingehend anpassen. Das kann zum Beispiel auch das Führen an der Leine betreffen, wenn Sie sich mit dem Hund im öffentlichen Raum oder nahe vielbefahrener Straßen bewegen. Auch wenn der Hund bis dahin sicher und problemlos nicht angeleint unterwegs war. Treten Einschränkungen der Wahrnehmung schleichend und über längere Zeiträume auf, kann das Tier diese in der Regel gut ausgleichen. Es kommt nicht selten vor, dass Besitzer*innen gar nicht bemerken, dass der Hund nichts mehr oder nur noch wenig sehen kann. Oft stellt sich so etwas eher zufällig heraus. Beispielsweise bei der jährlichen Impfung beim Tierarzt oder der Tierärztin. Bei plötzlichen Veränderungen oder wenn der Hund beispielsweise von heute auf morgen sehr schreckhaft auf die Umgebung oder auf Bewegungen und Geräusche reagiert, sollte näher hingeschaut werden.
Auch generelle Veränderungen sollten hierbei beachtet werden. Dazu gehören beispielsweise folgende Anzeichen:
- eine stark herabgesetzte Aktivität
- stark verminderter Appetit
- ein verändertes Trinkverhalten (zum Beispiel deutlich gesteigerte Wasseraufnahme)
All dies können Anzeichen einer zugrundeliegenden Erkrankung sein, die weitergehende Auswirkungen hat. So kann zum Beispiel Diabetes zu einer Linsentrübung und dem schleichenden Verlust des Sehvermögens führen. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann Auswirkungen auf Aktivität und Appetit haben. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Durchblutungsstörungen im Bereich von Gehirn und Innenohr können zu Koordinationsstörungen, Übelkeit und vermindertem Appetit führen. Und natürlich steigt im zunehmenden Alter die Gefahr, dass Tumore (Krebs) auftreten. Dies muss nicht immer ein Todesurteil sein. Es gibt auch durchaus harmlose Tumore, die gut behandelt werden können oder sogar gar nicht behandelt werden müssen. Auch hier hilft ein Termin beim Tierarzt beziehungsweise bei der Tierärztin zur Abklärung.
Wie oft sollte man mit einem alten Hund zum Tierarzt oder zur Tierärztin?
Bei allen Anzeichen und anderen Veränderungen, die man sich als Hundehalter oder Hundehalterin nicht erklären kann, empfiehlt sich auf jeden Fall ein Besuch beim Tierarzt beziehungsweise bei der Tierärztin. Dies gilt besonders für ältere und alte Hunde. In der Praxis kann ein mögliches Problem eingegrenzt werden. Oft schon anhand eines detaillierten Vorberichts und einer gründlichen Allgemeinuntersuchung von Kopf bis Fuß.
Weiterführende Untersuchungen wie zum Beispiel ein umfangreiches Blutbild helfen, Grunderkrankungen zu diagnostizieren. Findet sich eine Veränderung, die behandelt werden kann, bessert sich damit in der Regel auch rasch das Allgemeinbefinden des Hundes. Generell empfiehlt es sich, bei alten Hunden beispielsweise im Rahmen der jährlichen Impfung, ein Blutbild zu machen. Der Hund wird hier ohnehin gründlich untersucht. Hinsichtlich geeigneter Zeitabstände zwischen sinnvollen Untersuchungen berät Sie der Tierarzt beziehungsweise die Tierärztin immer gerne. Alt heißt nicht automatisch krank. Es ist wie beim Menschen; manch ein Individuum ist schon als Kind ständig krank – andere Menschen bleiben bis ins hohe Alter fit und müssen auch mit über 90 nur selten zum Arzt beziehungsweise zur Ärztin.
Unbestritten ist aber, dass die Anfälligkeit für Erkrankungen und gesundheitliche Beschwerden im Alter steigt. Beim Hund spielen hier vor allem sogenannte degenerative Erkrankungen und Veränderungen der Gelenke und des Bewegungsapparats eine Rolle. Also zum Beispiel Arthrosen. Diese können zu Schmerzen führen und die Beweglichkeit und vor allem die Bewegungsfreude des Hundes einschränken. Ebenso verändert sich im Alter der Stoffwechsel und Energieumsatz des Hundes. Registriert man Veränderungen im Fressverhalten und dem Körpergewicht, empfiehlt sich auch hier, den Hund einmal beim Tierarzt beziehungsweise bei der Tierärztin vorzustellen. Nicht immer muss eine schwerwiegende Erkrankung die Ursache sein. Oftmals hilft auch schon die Umstellung von Futter und Fütterungsregime. Dies sollte aber vorab vom Tierarzt oder von der Tierärztin abgeklärt werden. Auch andere Stoffwechselerkrankungen treten gehäuft in der zweiten Lebenshälfte auf. Das können zum Beispiel sein:
- eine Unterfunktion der Schilddrüse
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Leberprobleme
- Tumore (oftmals der berühmte "Knubbel in der Haut")
Die Möglichkeiten, diese mit geeigneten Untersuchungsmethoden zu erkennen, sind bereits sehr gut und werden immer besser. Normalerweise reicht die jährliche Untersuchung im Rahmen der Jahresimpfung aus, um eine gute Kontrolle über den Gesundheitszustand des Hundes zu haben. Bei diesem Termin sollte der Hund auf jeden Fall gewogen werden, um Veränderungen beim Körpergewicht festzustellen. Ansonsten gilt altersunabhängig: Bemerken Sie bei meinem Hund Veränderungen (zum Beispiel in Aussehen und Verhalten), die Sie sich nicht erklären können, sollte immer ein Termin beim Tierarzt beziehungsweise bei der Tierärztin vereinbart werden.
Tipps: So können Sie Ihren alten Vierbeiner unterstützen
Meist werden ältere Hunde deutlich ruhiger, schlafen mehr und möchten weniger spielen. Dies gilt es vor allem dann zu beachten und auch zu erklären, wenn der Hund in einem Haushalt mit Kindern lebt. Hier sollte klar vermittelt werden, dass der alte Hund von heute nicht mehr der Welpe oder Junghund von vor acht oder neun Jahren ist. Wichtig ist, sich im täglichen Leben bestmöglich an die Bedürfnisse des Hundes anzupassen und auch auf kleine Signale angemessen zu reagieren. Der Hund selbst kann ja nicht sagen, wie er es lieber hätte! So kann aufgrund von Arthrosen in den Gelenken auch das Treppensteigen oder das Springen in den Kofferraum des Autos plötzlich Schwierigkeiten bereiten. Hier gilt es, vermeidbare Situationen und Bewegungen auf ein Minimum zu reduzieren. Darüber hinaus sollte man dem Vierbeiner Hilfestellungen geben. Das kann beispielsweise eine kleine Rampe als Einstiegshilfe ins Auto sein. Bei einem beispielsweise reduzierten Energiebedarf aufgrund einer anderen Stoffwechselsituation muss das Futterangebot reduziert werden. Rasche und komplette Futterumstellungen sollten auf jeden Fall vermieden werden. Wenn, dann sollte man langsam und schleichend Veränderungen vornehmen. Dies kann auch die Aufteilung von bisher einer oder zwei großen Futterportionen am Tag auf mehrere kleinere sein.
Ein sehr hilfreicher Wert für mögliche Erkrankungen, die im Alter vermehrt auftreten, ist die Trinkmenge. Meist nimmt diese zu, in seltenen Fällen trinken Hunde weniger. Bemerkt man hier deutliche Veränderungen, so sollte beim Tierarzt beziehungsweise bei der Tierärztin die Funktionsfähigkeit wichtiger Organe wie Niere und Leber untersucht werden. Wenn der Wassernapf zuvor nie ganz leer war und jetzt zweimal am Tag ausgetrunken wird, ist dies auf jeden Fall ein Grund für eine nähere Untersuchung. Je früher eine Erkrankung festgestellt wird, umso aussichtsreicher und erfolgsversprechender ist die Behandlung.