Lefzen beim Hund – alles zur Funktion und Pflege
Wenn Sie Ihrem Hund regelmäßig tief in die Augen schauen, kann es dabei nicht schaden, auch einen Blick auf seine Lefzen zu werfen. Die Lefzen beim Hund haben rasseübergreifend eine Reihe von wichtigen Funktionen, können aber je nach Hund leider auch ideale Bedingungen für Infektionen bieten, wenn sie zu wenig oder unsachgemäß gepflegt werden.
Wir machen Sie zum Lefzen-Profi: In unserem Beitrag hier erfahren Sie, was Sie alles aus der Stellung und Form der Lefzen über Ihren Hund erfahren können, warum verschiedene Hunderassen unterschiedliche Lefzen haben und wie Sie Krankheiten und Infektionen wie etwa einem Lefzenekzem beim Hund vorbeugen können.
Was sind die Lefzen beim Hund?
Die Lefzen beim Hund lassen sich am einfachsten mit den Lippen beim Menschen vergleichen. Dabei sind sie in ihrer Funktion mindestens ebenso vielfältig: Die Lefzen dienen sowohl dem Schutz von Gesicht und Mundraum als auch dem Ausdruck von Emotionen. Dementsprechend werden die Lefzen von Hunden auch sehr bewusst und zielgerichtet eingesetzt.
Die Lefzen beim Hund als Spiegel der Gemütslage Ihres Tieres
Über ihre Lefzen können Hunde eine ganze Bandbreite an Stimmungen und Gemütslagen vermitteln. Dabei sollten Sie vor allem auf die folgenden Formen der Mimik Ihres Hundes achten:
Nach hinten gezogene Lefzen: Weit nach hinten gezogene Lefzen beim Hund ähneln optisch in etwa einem Lächeln. Tatsächlich möchte Ihr Hund damit jedoch ausdrücken, dass er in der aktuellen Situation gestresst ist.
Hochgezogene Lefzen + sichtbare Zähne + gerunzelte Nase: Diese sehr markante Mimik des Hundes stellt in der Regel eine offene Drohgebärde dar: Der Hund fühlt sich bedroht und ist bereit zum Kampf. Dafür werden die Lefzen hochgezogen und die Zähne entblößt, wodurch der Hund im Ernstfall direkt zubeißen kann.
Leicht hochgezogene Lefzen/Kräuseln der Lefzen: Ein leichtes Hochziehen der Lefzen beim Hund mit einer ansonsten entspannten Mimik deutet auf eine freudige Stimmung Ihres Vierbeiners hin. Dies kann auch im positiven Sinne eine Erwartungshaltung und Vorfreude ausdrücken.
Lecken der Lefzen: Leckt Ihr Hund sich über die Lefzen, dann bringt er damit in der Regel zum Ausdruck, dass er gerade etwas Leckeres sieht oder in fester Erwartung eines leckeren Fresschens ist. Häufig kommt es dabei auch zu verstärktem Speichelfluss.
Anhand dieser Beispiele ist leicht erkennbar, dass die Lefzen beim Hund ein wichtiges Mittel zur Kommunikation darstellen - sowohl zwischen Hunden als auch mit Halter*innen. Bei einigen Hunderassen ergeben sich hier jedoch Probleme: Bei sehr großen Lefzen kann es passieren, dass etwa die eine Drohgebärde des Hundes nicht als solche zu erkennen ist. Hier kann es also leicht zu einer Fehlkommunikation und in der Folge schlimmstenfalls auch zu Bissen und Verletzungen kommen.
Lefzen beim Hund im Überblick – die Unterschiede zwischen den Rassen
Beim Blick in die Gesichter verschiedener Hunde fällt schnell auf, dass sich auch die Form und Ausprägung der Lefzen beim Hund je nach Rasse stark unterscheidet. Dies hängt vielfach vor allem mit unterschiedlichen Zuchtzielen zusammen, die je nach Rasse auch heute noch verfolgt werden.
Große Lefzen für Spürhunde: Klassische Spürhunde - ob für die Jagd von Tieren oder die Suche nach vermissten Personen - sind etwa der Basset Hound, die Deutsche Dogge oder der flauschige Bernhardiner. Die Lefzen des Hundes helfen dabei, Gerüche von Fährten bis zur feinen Nase des Tieres zu transportieren.
Große Lefzen als Rassemerkmale: Bei vielen Hunden wie etwa dem Boxer oder der Bulldogge sind die heute noch sehr markanten Lefzen "Überbleibsel" einer Züchtung, die darauf abzielte, gute Kampfhunde heranzuziehen, die sich etwa auch im sogenannten "Bullenbeißen" behaupten konnten. Heute steht dieser Kampf-Charakter nicht mehr im Fokus der Züchtung.
Infektionen & Krankheitsbilder - Große Lefzen mit großen Risiken
Gerade Hunde mit übermäßig großen Lefzen sind anfällig für eine Reihe von körperlichen Beeinträchtigungen, die ihren Hunde-Alltag entweder anstrengender machen oder ernsthafte gesundheitliche Komplikationen mit sich bringen können. Dies kann sehr simple Ursachen haben.
So verlieren Hunde mit großen Lefzen mehr Flüssigkeit über den Mund und müssen dementsprechend mehr Speichel nachproduzieren. Dieser erhöhte Speichelfluss kann wiederum die Entstehung von Entzündungen in der Lefzenfalte begünstigen - hierzu zählt etwa das Lefzenekzem.
Ein weiterer Faktor, der häufig wenig beachtet wird, ist das Gewicht der Lefzen. Dieses übt einen Zug auf das gesamte Gesichtsgewebe des Hundes aus und zieht auf diesem Wege auch die Augenlider des Hundes herunter. Dieser Umstand kann eine Bindehautentzündung beim Hund begünstigen.
Das Lefzenekzem beim Hund
Die häufigste Komplikation, die bei den Lefzen von Hunden auftritt, ist das sogenannte "Lefzenekzem": Hierbei reiben die hängenden Oberlippen über die Unterlippe, wobei es durch diese Reibung zu einer Verletzung der Haut und schließlich zu einer lokalen, nässend-eitrigen Entzündung kommt. Besonders häufig sind Hunde mit stark ausgeprägten Lefzen (wie Bernhardiner) betroffen.
Symptome eines Lefzenekzems
Mehrere Anzeichen können darauf hinweisen, dass Ihr Hund unter einem Lefzenekzem leidet. Dazu zählen folgende Punkte:
- Lefzen sind geschwollen
- Lefzen sind verkrustet
- Lefzen sind gerötet
Gerade beim letzten Symptom besteht die Gefahr, dass sie als Halter*in einen unangenehmen Geruch an der infizierten Stelle versehentlich als Mundgeruch wahrnehmen.
Ein Lefzenekzem behandeln
Sollten Sie vermuten, dass Ihr Hund ein Lefzenekzem entwickelt, ist der nächste Schritt immer der Weg zum Tierarzt oder der Tierärztin. Diese*r kann mit einer Untersuchung bestimmen, ob diese Vermutung zutrifft und welche Art von Erreger (Bakterien/Pilze) das Ekzem an den Lefzen verursachen.
Je nach Schweregrad kann es eine Option darstellen, das Ekzem medikamentös (bei Bakterien) oder mit antiseptischen Salben zu behandeln - sofern sich diese an der betroffenen Stelle gut auftragen lassen. In vielen Fällen ist die Schwierigkeit jedoch vor allem, dass die Lefzen vom Hund dazu neigen, sich immer wieder zu entzünden. Hier kann je nach tierärztlichem Rat eine Operation sinnvoll sein.
Wie Sie Lefzen und Hund richtig pflegen – drei wichtige Tipps zur Vorsorge
Schauen Sie Ihrem Hund regelmäßig aufs Maul - und natürlich auch unter die Lefzen. Mit diesen drei Tipps haben Sie immer ein Auge auf die Gesundheit der Lefzen Ihres Hundes und können im Zweifel sofort aktiv werden, wenn sich doch mal eine Erkrankung oder Entzündung abzeichnen sollte.
Abstammung prüfen: Nach Möglichkeit sollten Sie sich zur Historie Ihres Vierbeiners erkundigen - liegen Hautfalten im Bereich der Lefzen bereits in der Familie, ist die Chance hoch, dass diese auch bei Ihrem Hund vorhanden und entsprechend anfällig für die Bildung von Ekzemen sind.
Haare kürzen: Lange Haare - gerade im nassen Zustand - bieten ein exzellentes feucht-warmes Klima für Erreger und Infektionen. Gleichzeitig können Haare unter den Lefzen die Haut an der Stelle aufscheuern, weswegen im Zweifel ein Besuch beim Hunde-Friseur doppelt wichtig ist.
Hygiene beachten: Mit einer regelmäßigen, täglichen Prüfung der Lefzen beim Hund sind Sie meist auf der sicheren Seite. Indem Sie Schmutz an den Hautpartien entfernen oder eine eventuelle Ekzembildung frühzeitig erkennen, erweisen Sie Ihrem Hund einen großen Gefallen.
Fazit
Die Lefzen sind Ausdrucksorgan, Schutz und potenzielle Problemzone zugleich. Besonders bei Hunden mit großen Lefzen ist regelmäßige Pflege entscheidend, um Entzündungen wie das Lefzenekzem zu vermeiden. Wer aufmerksam hinschaut und hygienisch handelt, schützt die Gesundheit seines Vierbeiners nachhaltig.
Das könnte Sie auch interessieren

Fieber beim Hund
Wenn Ihr Hund plötzlich müde und abgeschlagen wirkt, könnte Fieber dahinterstecken – ein Warnsignal, das nicht unterschätzt werden sollte. Denn wie wir Menschen reagieren auch Hunde mit erhöhter Temperatur auf Krankheiten. Lesen Sie hier, wie Sie Fieber erkennen, richtig messen und wann ein Tierarztbesuch dringend nötig ist.

Hundeführerschein
Ein Hundeführerschein zeigt, dass Sie Ihren Vierbeiner sicher im Griff haben – zum Schutz von Mensch und Tier. Doch wie läuft die Prüfung ab, ist sie verpflichtend und worauf sollten Sie sich vorbereiten? Unser Magazin liefert Ihnen alle wichtigen Infos rund um das Thema verantwortungsvolle Hundehaltung.

Blutohr beim Hund
Ein Blutohr beim Hund kann schmerzhaft und folgenreich sein – doch wie erkennt man es rechtzeitig? Wenn Ihr Vierbeiner häufig den Kopf schüttelt oder sich auffällig am Ohr kratzt, lohnt sich ein genauer Blick. Was hinter einem Bluterguss in der Ohrmuschel steckt und wie Sie richtig reagieren, erfahren Sie im vollständigen Artikel.
