Hundeführerschein: Pflicht, Prüfung, Kosten & Unterschiede

Hundehalter*innen tragen viel Verantwortung. Sowohl für den eigenen Hund als auch für andere Hunde und Mitmenschen. Daher ist es umso wichtiger, den Hund unter Kontrolle halten zu können, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Ein Hundeführerschein bescheinigt Hundehalter*innen, dass sie und der Hund als Team funktionieren und dass das Verhalten des Hundes verstanden und kontrolliert werden kann.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie genau die Prüfungen für den Hundeführerschein aussehen, ob der Hundeführerschein Pflicht ist und was es noch zu beachten gibt.

Hundeführerschein: Was ist das?

Der Begriff "Hundeführerschein" ist wohl den meisten nicht bekannt. Was genau verbirgt sich denn dahinter? Im Grunde bescheinigt der Hundeführerschein, dass der Hundehalter oder die Hundehalterin das Verhalten des eigenen Hundes verstehen kann. Darüber hinaus, dass Besitzer*innen den Hund erziehen können und in Alltagssituationen unter Kontrolle haben. Um den Hundeführerschein erwerben zu können, muss der Hundehalter oder die Hundehalterin gemeinsam mit dem Vierbeiner eine Prüfung bestehen. Die freiwillige Prüfung für den Hundeführerschein besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Voraussetzungen für den Hundeführerschein

Hundeführerschein machen: Das muss man beachten

Für die Halter*innen und für den Hund müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um den Hundeführerschein machen zu dürfen. Der Halter beziehungsweise die Halterin muss mindestens 16 Jahre alt sein. Das Alter des Hundes muss mindestens zwölf Monate betragen. Zudem muss bei der Anmeldung zur Prüfung eine gültige Tierhalterhaftpflichtversicherung vorgezeigt werden. Ohne Versicherung kann der Hund nicht an der Prüfung teilnehmen. Hinzu kommt die Nachweispflicht eines gültigen Impfschutzes und der Identifikationsnachweis des Hundes (Mikrochip).

BarmeniaGothaer Tierhalterhaftpflicht: Eine junge Frau sitzt mit ihrem Windhund auf der Couch und lacht

Tierhalterhaftpflicht online abschließen

Eine Tierhalterhaftpflicht ist für Halter*innen von Hunden und Pferden Pflicht. Erfahren Sie ganz einfach mit dem Online-Rechner, wie günstig unsere Tierhaftpflichtversicherung sein kann. Nach nur wenigen Angaben sehen Sie schon Preis und Leistungen auf Ihre Bedürfnisse angepasst.

Beitrag berechnen

Hundeführerschein versus Sachkundenachweis

Unterschied zwischen Hundeführerschein und Sachkundenachweis

Umgangssprachlich wird in der Regel vom "Hundeführerschein" gesprochen. Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Prüfung in Theorie und Praxis über Erziehung, Führbarkeit und Sozialverträglichkeit. Dies dient häufig als Qualitäts‑ und Befähigungsnachweis im Alltag.

Der Sachkundenachweis (SKN) hingegen ist ein amtlicher Nachweis der Fachkunde. Je nach Landesrecht und der Hunderasse ist dieser verpflichtend. In manchen Bundesländern besteht diese Verpflichtung lediglich für bestimmte Listenhunde oder für Hunde, die mindestens 40 Zentimeter hoch und/oder 20 Kilogramm schwer sind. In Niedersachsen und Bremen wiederum ist der Sachkundenachweis für alle Halter*innen Pflicht.

Wichtig: Diese Nachweise dürfen nicht mit der Erlaubnis zum Halten gefährlicher Hunde verwechselt werden! Für bestimmte Rassen gibt es besonders strenge Auflagen, die andere Nachweise und Prüfungen erforderlich machen. Auch hier gelten sehr unterschiedliche Regelungen je nach Bundesland.

Regelungen in den einzelnen Bundesländern

Hier finden Sie einen kleinen Einblick in die gesetzlichen Regelungen und Vorteile rund um den Sachkundenachweis in ein paar Bundesländern:

  • In Bremen wird der Sachkundenachweis ab 01.07.2026 verpflichtend.
    • Die theoretische Prüfung muss vor der Anschaffung erfolgreich abgeschlossen werden.
    • Die praktische Prüfung muss dann innerhalb eines Jahres abgelegt werden - zugleich besteht eine Kennzeichnungs‑ und Registrierpflicht und es muss eine Tierhalter-Haftpflichtpflichtversicherung bestehen.
  • In Niedersachsen ist der Sachkundenachweis für alle Hundehalter*innen in Theorie und Praxis Pflicht.
  • In Nordrhein-Westfalen besteht eine Verpflichtung für Besitzer*innen von Hunden, die mindestens 40 Zentimeter hoch und/oder 20 Kilogramm schwer sind.
  • in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg kann der Nachweis Vorteile bringen (wie zum Beispiel eine Leinenbefreiung) – Details finden Sie im Landesrecht.
  • In weiteren Bundesländern (beispielsweise Bayern und Sachsen) besteht häufig eine Sachkundenachweis-Pflicht für sogenannte Listenhunde.

Tipp: Fragen Sie beim Ordnungsamt oder Veterinäramt nach, ob Ihr vorhandener Nachweis anerkannt wird – das ist nicht automatisch der Fall.

Zu beachten ist, dass der freiwillige Hundeführerschein immer nur für das Duo gültig ist - also für die Zeit, in der Hund und Halter beziehungsweise Halterin zusammenleben. Eine Übertragung auf andere Hunde ist somit ausgeschlossen. Das ist ein erheblicher Unterschied zur verpflichtenden Sachkundeprüfung, denn diese bleibt lebenslang gültig und hängt nicht von dem einzelnen Hund ab.

Hundeführerschein: Ablauf und Inhalt der Prüfung

Bestandteile der Prüfung zum Hundeführerschein

Sie haben sich dazu entschieden einen Hundeführerschein zu machen? Nun stellt sich die Frage, was auf Sie zukommen wird und was Sie noch beachten müssen.

Der Hundeführerschein besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Die Theorieprüfung beinhaltet typische Multiple‑Choice-Fragen zu Themen wie:

  • Hundeverhalten und Kommunikation
  • Erziehung und Training des Hundes
  • Tierhaltung, Gesundheit und Ernährung des Hundes
  • Rechtliche Pflichten im Rahmen der Hundehaltung

Je nach Bundesland und Prüfungsstelle muss eine Mindestpunktzahl (zum Beispiel 80 Prozent der Gesamtpunktzahl) erreicht werden. Bei manchen Prüfungsstellen kann die Theorieprüfung auch online durchgeführt werden.

Im Praxisteil werden Alltagssituationen geprüft. Beobachtet wird:

  • Wie sich der Hund an der Leine verhält (Leinenführigkeit)
  • Wie der Vierbeiner auf den Rückruf reagiert und wie es um seinen Grundgehorsam bestellt ist
  • Das Sozialverhalten gegenüber Menschen und Hunden
  • Das Verhalten im Straßenverkehr - auch unter Ablenkung

Wiederholung: Bei Nichtbestehen kann in der Regel wiederholt werden. Häufig ist es auch nur nötig den nicht bestandenen Teil erneut zu absolvieren.

Hundeführerschein: Kosten und weitere Informationen

Wie viel kostet ein Hundeführerschein?

Die Kosten für den Hundeführerschein können unterschiedlich hoch ausfallen. Je nachdem, bei welchem Anbieter und in welchem Bundesland die Prüfung abgelegt wird. Der Gesamtpreis für den Hundeführerschein setzt sich zusammen aus den Kosten für

  • Unterricht
  • Lernmaterialien
  • Prüfungsgebühr

Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für Vorbereitungskurse, falls Sie sich dazu entscheiden, einen Kurs zu besuchen. Die Kosten liegen somit in der Regel zwischen 50 und 200 Euro.

Wo kann man den Hundeführerschein machen?

Verschiedene Vereine oder Hundeschulen bieten bundesweit die Möglichkeit an, den Hundeführerschein zu machen. Der Ablauf und die Gestaltung der Prüfung können variieren. Je nachdem ob Sie eine Hundeschule, einen Verein, einen Verband oder Ähnliches besuchen. Es gibt diverse Anlaufstellen, bei denen man sich über Details informieren kann. Zum Beispiel beim:

  • Berufsverband der Hundeerzieher
  • Verhaltensberater des Bundesverbandes der Hundeerzieher*innen (BHV)
  • Berufsverband zertifizierter Hundetrainer (BVZ)
  • Internationalen Berufsverband der Hundetrainer und Hundeunternehmer (IBH)

Vorteile eines (freiwilligen) Hundeführerscheins

  • Erwerb einer Alltagssicherheit, die zu einem besseren Handling in Reizsituationen und somit zu weniger Konflikten und Unfällen führt
  • Je nach Bundesland und Kommunen können behördliche Vorteile (wie etwa Leinenbefreiung) oder auch steuerlichen Vergünstigungen entstehen
  • Häufig akzeptieren Behörden den freiwilligen Hundeführerschein als Sachkundenachweis, wenn die Inhalte umfangreicher sind

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Hundeführerschein dazu beiträgt, Gefahren im Alltag zu vermeiden und somit andere Tiere und Menschen zu schützen. Der Hundeführerschein ist ein Befähigungsnachweis, dass Sie das Verhalten Ihres Hundes unter Kontrolle haben. Nicht nur für das soziale Umfeld ist ein Hundeführerschein von Vorteil, sondern auch für Sie als Team.

Sie als Hundebesitzer*in lernen mit Ihrem Hund zusammenzuarbeiten. Sie lernen sein Verhalten zu interpretieren und ein gut funktionierendes Team zu bilden. Das macht das allgemeine Zusammenleben auf Dauer angenehmer.

Häufige Fragen

Ist es Pflicht, einen Hundeführerschein zu machen?

Ein Hundeführerschein ist in Deutschland keine Pflicht. Manche Bundesländer verlangen allerdings einen sogenannten Sachkundenachweis für Hundehalter*innen, welche zum Beispiel einen Listenhund besitzen. In Niedersachsen ist ein Sachkundenachweise sogar für alle Hunderassen Pflicht, in Bremen ab 01.07.2026 ebenfalls.

Der Hundeführerschein dient zur Gefahrenprävention und bescheinigt, dass Hundehalter*innen ihren Hund in gefährlichen Situationen unter Kontrolle haben. Der Hundeführerschein kann in manchen Bundesländern den Sachkundenachweis ersetzen beziehungsweise wird mit diesem gleichgesetzt.

Für welche Hunde brauche ich einen Führerschein?

Bestimmte Bundesländer verlangen für das Halten von bestimmten Hunderassen einen Hundeführerschein oder sogar einen Sachkundenachweis. In der Regel betrifft das Hunde, die als "Listenhunde" geführt werden. Darunter fallen Rassen wie

  • Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier

und weitere Rassen.

Kann ich beim Hundeführer­schein durchfallen?

Sollten Sie bei der Prüfung für den Hundeführerschein durchfallen, können Sie diese beliebig oft wiederholen. Bei einer Wiederholung muss auch nur der Teil bestanden werden, bei dem Sie durchgefallen sind. Sollten Sie also mit Ihrem Hund nur bei der praktischen Prüfung durchgefallen sein, so müssen Sie auch nur zur praktischen Prüfung erneut antreten.

Wer kontrolliert den Besitz eines Hundeführerscheins?

Eine Kontrolle des Hundeführerscheins wird in der Regel nicht durchgeführt, da dieser in keinem Bundesland verpflichtend ist. Allerdings kann man durch den Hundeführerschein in bestimmten Bundesländern von der Leinenpflicht befreit werden. Sollten Sie Ihren Hund also ohne Leine in einem eigentlich leinenpflichtigen Gebiet spazieren führen, könnten Sie vom Ordnungsamt oder Veterinäramt der Stadt kontrolliert werden. In den Bundesländern, in denen eine Sachkundenachweispflicht besteht, könnten Sie ebenfalls von dem zuständigen Ordnungsamt auf das Vorhandensein des Sachkundenachweises kontrolliert werden.

Wie hoch ist die Strafe, wenn ich keinen Hundeführerschein habe?

Generell gibt es keine Strafen, wenn Sie keinen Hundeführerschein vorweisen können, da dieser bundesweit nicht verpflichtend ist. In der Regel drohen Ihnen Strafen, wenn Sie keinen Sachkundenachweis vorweisen können. Die Bußgelder für einen registrierten Hund ohne Hundeführerschein beziehungsweise Sachkundenachweis liegen bei 25 bis 250 Euro. Achten Sie auf die geltenden Regeln und Strafen in Ihrem Bundesland.

Gilt mein Nachweis auch in einem anderen Bundesland?

Nicht automatisch. Bremen prüft Anerkennungen beispielsweise im Einzelfall. Schauen Sie auch gerne in die offiziellen FAQ der Stadt Bremen.

Wie hoch sind die Kosten?

Der Sachkundenachweis kostet zwischen 80 und 130 Euro. Der freiwillige Hundeführerschein ist in der Regel umfangreicher. Die Kosten liegen zwischen 50 und 200 Euro zuzüglich einer eventuellen Kursgebühr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kreuzbandriss beim Hund: Ein Schäferhund wird nach einem Kreuzbandriss in der Tierarztpraxis behandelt.

Kreuzbandriss beim Hund

Ein harmloser Ausflug – und plötzlich humpelt Ihr Hund. Die Diagnose: Kreuzbandriss. Was das bedeutet, wie Sie Symptome frühzeitig erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie im vollständigen Artikel.

Zum Magazinartikel

Im Vordergrund ist eine Zecke zu sehen, welche auf einem Finger sitzt. Im Hintergrund sieht man verschwommen einen Hund mi thellem Fell, der zur Seite guckt und auf einer Wiese liegt

Zeckenbiss beim Hund

Sommerzeit ist Abenteuerzeit – doch Zecken machen auch vor Ihrem Hund nicht halt. Im hohen Gras lauern sie auf ihre Chance und können gefährliche Krankheiten übertragen. Wie Sie Ihren Vierbeiner schützen, Symptome erkennen und im Ernstfall richtig handeln, erfahren Sie bei uns im Magazin.

Zum Magazinartikel

Hundebesitzerin ist mit ihrem Hund beim Tierarzt

Blutohr beim Hund

Ein Blutohr beim Hund kann schmerzhaft und folgenreich sein – doch wie erkennt man es rechtzeitig? Wenn Ihr Vierbeiner häufig den Kopf schüttelt oder sich auffällig am Ohr kratzt, lohnt sich ein genauer Blick. Was hinter einem Bluterguss in der Ohrmuschel steckt und wie Sie richtig reagieren, erfahren Sie im vollständigen Artikel.

Zum Magazinartikel