Stressbewältigung: Methoden
Untersuchen Sie, ob Sie an der Stresssituation etwas verändern können. Wenn ja, können Sie vielleicht die Stressdosis verringern, indem Sie einige Stressoren ausschalten, reduzieren oder gar vermeiden. Vielleicht beschäftigen Sie sich aber auch zunächst mit der Frage, wer oder was Sie daran hindert, etwas zu verändern.
Falls Sie der Überzeugung sind, überhaupt nichts verändern zu können, etwa im Falle eines Arbeitsplatzverlustes, stellt sich die Frage, wie Sie künftig mit dem wirklich nicht Veränderbaren umgehen wollen. Wollen Sie kurzfristig in der Lage sein, die Stresserregung zu drosseln und eine schnellere Erholung zu ermöglichen? Oder möchten Sie noch weitergehen, indem Sie Ihre Einstellung zum Unabänderlichen überprüfen und verändern?
Um all dies erfolgreich umsetzen zu können, gibt es eine Reihe erprobter Stressbewältigungstechniken, die sowohl kurz- als auch langfristig Hilfe bei Stress möglich machen. In unserem Artikel zum Thema Stressbewältigung gehen wir ausführlich auf verschiedene Methoden zur Stressbewältigung ein.
Wie kann ich meinen Kopf entspannen?
Der überwiegende Teil des alltäglichen Stresses macht vor allem geistig und psychisch zu schaffen: Drohende finanzielle Schwierigkeiten, gesundheitliche Probleme, Partnerverlust oder Scheidungsverfahren wirbeln Gedanken und Gefühle gehörig durcheinander und verdichten sich schließlich zu dicken Sorgenpaketen. Die Sorgen kreisen unaufhörlich und binden alle Aufmerksamkeit und Energie. Aus dieser Psychogefangenschaft, in der einen die Sorgen festhalten, können jedoch Techniken der Aufmerksamkeitskontrolle sowie der kognitiven Verhaltenstherapie herausführen. Im Folgenden haben wir für Sie die besten Techniken zusammengefasst.
Bewusstmachen negativer Gedanken und Gedankenstopptechnik
Das Bewusstmachen negativer Gedanken bedeutet vor allem, die eigenen Gedanken aus einer Beobachterposition zu betrachten. Sie sollten akzeptieren, dass die Gedanken da sind, sich aber nicht mit Ihnen identifizieren. Beobachten Sie einfach von außen wie Gedanken kommen und gehen und geben Ihnen keine Bedeutung mehr für Ihr Wohlbefinden.
Dabei kann es auch hilfreich sein, sich die erregenden Gedanken – etwa im Sinne eines Stresstagebuchs – einmal selbst zu erzählen und aufzuschreiben. Falls Sie jedoch von quälenden Angst- oder Zwangsgedanken bedrängt werden, hat sich die Gedankenstopptechnik besonders bewährt.
Dabei kommt es darauf an, dass Sie einen Gedankengang möglichst früh abbrechen, bevor er sich voll entfaltet hat. Sie sagen sich innerlich sofort "Stopp!", wenn ein bedrängender Gedanke auftaucht und wenden sich bewusst einer anderen Vorstellung oder Aktivität zu, die positiv ablenkt. Sie können sich dabei auch ein rotes Stoppschild oder eine rote Schiedsrichterkarte vorstellen.
Rationale Selbstanalyse als Stressmanagement
Eine weitere Möglichkeit zum Entschärfen negativer Gedanken ist die rationale Bewertungsanalyse.
Oft wird die Realität durch eine von irrationalen Glaubenssätzen verzerrte Brille wahrgenommen, so dass die Konsequenzen ebenfalls negativ ausfallen. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie haben im Büro beiläufig mitbekommen, dass Kritik an Ihrer Arbeit geäußert wurde. Plötzlich werden Sie darüber informiert, dass Sie für den nächsten Tag einen Termin bei Ihrem Chef/Ihrer Chefin haben. Welche Gedanken würden dann wohl in Ihrem Kopf herumschwirren?
Sind es eher stressverstärkende Glaubenssätze wie "Wenn man mich kritisiert, bedeutet das, dass ich unten durch und nichts wert bin" bzw. "Ich wusste es ja, dass so was passiert. Ich bin eben ein Loser. Mir gelingt nichts." sowie "Ich hätte mich noch mehr anstrengen müssen. Irgendwie sind die anderen immer besser." Oder sind es eher stressdämpfende Glaubenssätze wie "Abwarten, ich habe gut gearbeitet und kenne meine Stärken. Kritik kann mich nicht erschüttern.“ bzw. "Rückschläge kommen vor. Ich werde meinen Weg trotzdem erfolgreich gehen." Falls Ihre Gedanken eher stressverstärkenden Charakter haben, ist es hilfreich, sie in einer rationalen Selbstanalyse noch genauer zu identifizieren.
Stellen Sie sich hierzu einige Fragen nach realen Fakten, vor allem:
- War die Situation wirklich so, wie ich sie erlebt und gesehen habe? Würden andere Beteiligte mein Erleben / meine Sichtweise teilen?
- Stimmt meine Bewertung der Situation mit der anderer überein?
- Sehe ich die Situation nur durch meine Brille oder kann ich mir die der anderen aufsetzen?
- Ist es eher gut oder schädlich für mich, wie ich die Situation erlebt oder bewertet habe?
- Hilft mir das, stabiler und ausgeglichener zu werden, oder regt es mich auf?
- Belastet es mich, indem es mich mutlos, ärgerlich oder kontaktscheu macht?
- Hilft es mir, Konflikte mit anderen konstruktiv zu lösen, oder vergrößert es sie noch?
- Enthält meine Bewertung der Situation irrationale Ideen oder Glaubenssätze?
- Glaube ich etwa, dass jemand/etwas unbedingt anders sein sollte oder müsste?
- Finde ich die Situation katastrophal, entsetzlich oder schrecklich?
- Habe ich das Gefühl, die Situation nicht aushalten zu können? Strafe ich mich oder andere wegen irgendwelcher Handlungen mit totaler Geringschätzung?
Die notwendige Veränderung des Verhaltens
Einstellungsänderungen bedürfen jedoch eines intensiven Verhaltenstrainings, damit sie sich auch im täglichen Handeln und Kommunizieren verankern können. Die wichtigste Voraussetzung für Erfolg auf diesem Wege ist, Geduld mit sich selbst zu haben. Schließlich lässt sich das komplizierte Zusammenspiel von Glaubenssätzen und Verhalten nicht einfach durch Knopfdruck umpolen. Die jetzigen Denk- und Verhaltensweisen haben sich über Jahre hinweg fest einprägen können. Deshalb bietet eine "Strategie der kleinen Schritte" die beste Gewähr dafür, neue Verhaltensweisen zu entwickeln. Versuchen Sie, jeden Tag ein kleines Stückchen "neue Einstellung" in die Praxis umzusetzen. Mit allen anfänglichen Unsicherheiten und Barrieren.
Probieren Sie folgende Strategie aus:
- Nehmen Sie sich vor, mehr Emotionen und auch Schwächen zu zeigen
- Gestehen Sie Fehler ein und geben Sie Perfektionsansprüche auf. Das erfordert viel Mut und positive Selbstüberzeugung
- Tun Sie mehr und mehr das, was Sie wirklich wollen und was Ihnen im Sinne Ihrer Persönlichkeitsentwicklung guttut
- Richten Sie sich nicht immer nach den anderen, sondern riskieren Sie auch mal Ablehnung und Zurückweisung, indem Sie Nein sagen
- Grenzen Sie sich ab und lernen Sie, sich gegen Überforderung zu schützen. Durch einfaches Seinlassen, Aufhören und Sichbegnügen
- Wichtig ist auch, dass Sie nicht zu vermeidende schmerzliche Situationen, Frust und Lebenskrisen aushalten lernen. Betrachten Sie sie als Chancen zur Weiterentwicklung, ohne andere oder "die Verhältnisse" dafür verantwortlich zu machen
Zufriedenheits- und Belohnungserlebnisse als Ausgleich schaffen
In Zeiten großer Stressbelastung hat man sich eher angewöhnt, über Ärger, Ängste und andere Unannehmlichkeiten zu schimpfen oder zu klagen, als sich über Angenehmes zu freuen. Die Bereitschaft, Freude, Genuss und Spaß sowohl momentan zu erleben als auch wieder in Erinnerung zu rufen, nimmt rapide ab. Doch wo ausgleichende Freizeitaktivitäten wie Hobbys, Sport und Spiel aufgegeben werden, soziale Kontakte verkümmern und der Humor verloren geht, ist neuer Stress schon vorprogrammiert.
Deshalb ist es wichtig, sich diesen Teufelskreis bewusst zu machen und dann damit anzufangen, sich wieder gezielt auf Wohlfühl- und Zufriedenheitserlebnisse auszurichten. Fragen Sie sich zunächst: "Was brauche ich, um auch im Alltag Dinge genießen und Angenehmes erleben zu können? Wie ist es mir früher gelungen, trotz Belastungen Schönes zu genießen und Spaß zu haben? Was hält mich davon ab, so etwas wieder in mein Leben zu integrieren? Ist es Zeitmangel, Alltagsroutine oder auch nachlässiger Umgang mit mir selbst?"
Bei genauerem Hinsehen werden Sie zugeben müssen, dass sogenannte wichtige Verhinderungsgründe oftmals nur vorgeschoben sind und Sie sich selbst sabotieren. Deshalb besteht der erste Schritt hin zu einer Verbesserung Ihrer Lebensqualität darin, Ihre Aufmerksamkeit wieder mehr auf genussfördernde Reize zu lenken. Herauszufinden, was Ihre ureigenen Genuss- und Spaßzonen sind, und sich nach und nach wieder mit ihnen anzufreunden. Mit anderen Worten: "Widmen Sie sich wieder aktiv einem anregenden Hobby. Gehen Sie öfter mal ins Kino, Theater oder Konzert. Lesen Sie spannende und interessante Bücher; musizieren Sie oder treiben Sie spaßorientierten Sport; gehen Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partner*in oder Freund*innen gemütlich essen oder in die "Kneipe"; verreisen Sie."
Faulenzen Sie mal ohne schlechtes Gewissen und gehen Sie in die Sauna. Nehmen Sie sich mehr Zeit für Erotisches und den Austausch von Zärtlichkeiten. Suchen Sie Erlebnisse in der Natur und fördern Sie die Fähigkeit zu Muße und Erholung. Entdecken Sie wieder das zweckfreie Spielen, den Zauber der Fantasie und Poesie und vor allem: Lachen Sie – über sich selbst und über oftmals unfreiwillig komische Situationen und Menschen.
Vielleicht besuchen Sie ein Lachyoga-Seminar oder sehen sich bewusst lustige Filme an, die Sie zum Lachen bringen. Wenn erst einmal wieder ein herzhaftes Lachen Ihren verdüsterten Stress-Himmel aufgeheitert hat, werden Sie sehen, dass auch die anderen Dinge ohne großen Aufwand möglich sind. Also fangen Sie am besten gleich an.