Burnout: Definition, Symptome & Behandlung

Sie fühlen sich plötzlich ausgelaugt, erschöpft, lustlos und können Aufgaben, die Sie früher ganz einfach geschafft haben, nicht mehr richtig erledigen? Wenn Sie sich sowohl privat als auch beruflich überbelastet fühlen und sich das auf Dauer als emotionale und körperliche Erschöpfung äußert, könnten Sie an dem Burnout-Syndrom leiden. Was genau sich dahinter verbirgt und wie Sie eine Erkrankung erkennen können, beschreiben wir Ihnen in diesem Artikel.

Burnout: Was ist das?

Beim Burnout handelt es sich nicht um ein fest umschriebenes Krankheitsbild - es ist keine eigenständige Krankheit, sondern wird international als arbeitsbezogenes Phänomen verstanden. Typisch sind drei Anzeichen: andauernde Erschöpfung, wachsende innere Distanz beziehungsweise Zynismus gegenüber der Arbeit und das Gefühl abnehmender Wirksamkeit im Job. Der Begriff bezieht sich damit auf Belastungen im beruflichen Kontext.

Ein Burnout wird häufig als Warnsignal oder Risikosituation beschrieben, aus der sich – wenn nicht gegengesteuert wird – psychische Störungen entwickeln können. Dabei ist wichtig: Burnout und Depression sind nicht dasselbe, auch wenn sich einzelne Symptome überschneiden. Deshalb sollte bei anhaltenden Beschwerden eine fachliche Abklärung erfolgen.

Das Burnout‑Syndrom beschreibt einen Zustand andauernder Erschöpfung, in der Regel ausgelöst durch dauerhaft hohe oder schlecht gestaltete Arbeitsbelastungen – etwa wenn Erholung ausbleibt, Anforderungen dauerhaft zu hoch sind oder Rahmenbedingungen wenig Spielraum lassen.

Die Ursachen und Auslöser für eine Überbelastung können ganz unterschiedlich und individuell sein. Häufig genannt werden:

  • Ständiger Zeitdruck und Arbeitsverdichtung
  • Konflikte im Berufsleben
  • "Aufopferung" für andere bei gleichzeitiger Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  • Langanhaltende Überforderung - aber auch Unterforderung

Private Belastungen können die Situation zusätzlich verschärfen. Untersuchungen ergaben außerdem, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie zum Beispiel ein stark ausgeprägter Perfektionismus oder das beständige Streben nach Höchstleistung das Risiko für einen Burnout erhöhen. In solchen Fällen werden Ziele teils so hoch angesetzt, dass sie nur mit unverhältnismäßigem Energieaufwand erreichbar sind; echte Zufriedenheit bleibt dann oft aus.

Doch nicht nur ständige Leistungsüberforderung kann Burnout auslösen, sondern auch Unterforderung. Wenn für Personen keine Möglichkeiten mehr bestehen, sich Leistungsanforderungen auszusetzen (zum Beispiel Arbeitslosigkeit), macht sich nach und nach ein Gefühl fortschreitenden Versagens und der Selbstunwirksamkeit breit. Von hier aus dreht sich dann die Burnout-Spirale über Erfolglosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit weiter nach unten in die Erschöpfung und Selbstbeschuldigung.

Wichtig zu erkennen: Das Burnout kann jeden treffen – unabhängig vom Beruf oder der privaten Lebenssituation. Als Außenstehende sieht man den Betroffenen die Überlastung häufig erst mal nicht an, bis es gegebenenfalls zu körperlichen Symptomen kommt.

Symptome des Burnouts

Beim Burnout gibt es sowohl körperliche als auch psychische bzw. mentale Symptome. Einige Anzeichen sind für Außenstehende sichtbarer als andere, daher kann es schwierig sein, einen Burnout frühzeitig zu erkennen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Burnout in der ICD‑11 als ein Syndrom, das aus chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Stress am Arbeitsplatz entsteht. Dabei hebt die WHO drei Kernmerkmale hervor: ein anhaltendes Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung, eine zunehmende mentale Distanz oder negative, zynische Haltung zur Arbeit sowie eine deutlich verringerte berufliche Wirksamkeit.

Diese drei Dimensionen spiegeln sich in vielen der im Folgenden genannten körperlichen, psychischen und sozialen Symptome wider. Sie helfen dabei, die Beschwerden nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit belastenden Arbeitsbedingungen zu verstehen. Gleichzeitig wird deutlich, weshalb eine frühzeitige Wahrnehmung und professionelle Unterstützung so wichtig ist: Je eher Betroffene die Warnsignale erkennen, desto besser lassen sich langfristige Folgen vermeiden.

Körperliche Symptome:

  • Chronische Müdigkeit, Energiemangel
  • Schlafstörungen
  • Häufige Infekte
  • Kopf-, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Störungen
  • Sexuelle Störungen, zum Beispiel reduzierte Libido
  • Häufig vermehrter Konsum von Alkohol, Zigaretten, Schmerz-, Schlaf-, Beruhigungs- oder Aufputschmitteln

Psychische Symptome:

  • Konzentrationsmangel, Vergesslichkeit
  • Kreativitätsverlust
  • Zynismus
  • Gedanken der Sinnlosigkeit
  • Überdruss ("Alles ist zu viel")
  • Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit
  • Gefühl der inneren Leere
  • Teilweise wechseln sich diese Gefühle mit Reizbarkeit, Ärger und Schuldzuweisungen ab

Soziale Erschöpfung:

  • Sozialer Rückzug (beruflich wie privat)
  • Gefühl, von anderen ausgesaugt zu werden, Mitmenschen werden als Belastung empfunden
  • Verständnislosigkeit für andere, Nicht-zuhören-Können
  • Depersonalisation (andere Menschen, zum Beispiel Kund*innen oder Patient*innen, werden nur noch als Fall/Nummer betrachtet und behandelt)

Unterschied zwischen Burnout und Depression

Burnout und Depression werden im Alltag oft in einen Topf geworfen – fachlich sind sie jedoch nicht dasselbe. Burnout beschreibt einen arbeitsbezogenen Erschöpfungszustand, der durch lang anhaltenden, nicht gut bewältigten Stress im Job entsteht und sich vor allem durch Erschöpfung, innere Distanz/Zynismus und das Gefühl geringer beruflicher Wirksamkeit zeigt. International wird Burnout daher nicht als eigene Krankheit gewertet, sondern als Phänomen im Berufskontext.

Eine Depression ist dagegen eine klar definierte psychische Erkrankung, die alle Lebensbereiche betreffen kann - unabhängig vom Arbeitsplatz. Typische Symptome bei einer Depression sind unter anderen eine anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Verlust der Freude sowie Antriebsmangel.

Wichtig zu beachten ist, dass die Symptome eines Burnouts und einer Depression sich überschneiden können. Außerdem ist es möglich, dass ein Burnout und eine Depression gleichzeitig auftreten. Ob hinter solchen Beschwerden wie hier beschrieben ein Burnout oder eine Depression (oder gar etwas ganz anderes) steckt, kann nur durch eine professionelle Abklärung zum Beispiel beim Hausarzt/bei der Hausärztin oder in einer psychotherapeutischen Sprechstunde sicher geklärt werden.

Klar ist aber: sowohl ein Burnout wie auch eine Depression sind ernst zu nehmen - sollten bei Ihnen Beschwerden auftreten, ist es also umso besser, je früher Sie sich Unterstützung holen.

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Phasen des Burnouts

Was sind die Anzeichen für ein Burnout?

Der Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger hat in seinem 12-Phasen-Modell typische Muster skizziert, wie sich eine Erschöpfungsspirale entwickeln kann. Da die Verläufe individuell sind und die Phasen sich überschneiden, in anderer Reihenfolge auftreten oder ganz ausbleiben können, handelt es sich nicht um einen medizinisch abgesicherten Stufenplan und eignet sich nicht zur Diagnose.

Im Folgenden beschreiben wir Ihnen die typischen Charakteristika in den jeweiligen Phasen daher lediglich als Orientierungshilfe und anschauliche Erklärung. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine fachliche Abklärung notwendig.

Phase 1: Zwang, sich beweisen zu müssen

Hohe Ansprüche an sich selbst, häufige Anspannung, Perfektionismus.

Phase 2: Verstärkter Einsatz

Freiwillige Mehrarbeit, Gefühl der Unentbehrlichkeit, viele Überstunden.

Phase 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

Erhöhter Konsum von Kaffee, Nikotin oder Alkohol; Schlafstörungen & Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

Phase 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Geschwächtes Immunsystem, Energiemangel, Vergessen von Terminen und Aufgaben & Gleichzeitiges Leugnen, Beendigung von Hobbys.

Phase 5: Umdeutung von Werten

Soziale Kontakte (Familie, Freunde, Partner*in) werden als Belastung empfunden, Konflikte mit Kolleg*innen, Beruf wird als belastender wahrgenommen.

Phase 6: Verstärkte Verleugnung von Problemen

Anhaltende Müdigkeit, Kopfschmerzen, schnelle Reizbarkeit, Gefühl mangelnder Anerkennung, vermehrte Fehlzeiten auf der Arbeit.

Phase 7: Rückzug

Hoffnungslosigkeit, Desorganisation, Ersatzbefriedigung durch Konsum von Essen, Alkohol & Drogen, Gewichtsveränderungen, Bluthochdruck, sozialer Rückzug.

Phase 8: Deutliche Verhaltensänderung

Veränderung nach außen sichtbar – Freunde und Familie werden abgewiesen; Einsamkeit, Selbstmitleid, Meidung sozialer Kontakte, Desinteresse.

Phase 9: Depersonalisation

Entfremdung, Gefühl innerer Leere, funktionieren "wie eine Maschine".

Phase 10: Innere Leere

Angst-und Panikattacken, ständige Müdigkeit und Erschöpfung, negative Einstellung zum Leben, Einsamkeit.

Phase 11: Depression und Erschöpfung

Existenzielle Verzweiflung, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Wunsch nach Dauerschlaf.

Phase 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

Seelische und körperliche Erschöpfung, körperliche Krankheiten, Suizidgedanken.

Behandlung & Hilfe bei Burnout

Befindet sich das Burnout-Syndrom in den Anfangsphasen können Veränderungen im Lebensstil als auch berufliche Veränderungen helfen. Ein Wechsel des Arbeitsplatzes kann für manche Betroffene bereits ein wichtiger Schritt sein. Außerdem ist es wichtig, sich eine Erholungspause zu erlauben, um sich von der entstandenen Überbelastung erholen zu können und nicht weiter in die "Burnout-Spirale" zu rutschen. Wenn das Burnout schon fortgeschritten ist, macht eine professionelle Psychotherapie Sinn. Ein wichtiger erster Schritt ist immer das Problem zu erkennen, darüber zu sprechen und daran zu arbeiten.

In einer Psychotherapie können zum Beispiel Übungen zur Entspannung erarbeitet werden, wie bspw. Atemübungen und Mediation. Das hilft den Betroffenen, Gefühle und Anspannungen im Körper wieder bewusst wahrzunehmen. Wie die Behandlung letztendlich aussieht, ist immer individuell. Der Therapeut oder die Therapeutin wird sich nach einigen Gesprächen ein Bild von Ihrem aktuellen Zustand machen und die therapeutischen Maßnahmen darauf anpassen. In unserem Magazin-Artikel "Stressbewältigung: Was hilft gegen Stress?" gehen wir detailliert auf das Thema Stressbewältigung ein. Dort haben wir einige Tipps zusammengefasst, die Ihnen möglicherweise auch helfen könnten.

Um einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde zu erhalten, können Sie sich an die Terminservicestellen unter der Rufnummer 116117 wenden. Die Servicestellen müssen Betroffenen in der Regel innerhalb einer Woche einen entsprechenden Termin vermitteln, der innerhalb von vier beziehungsweise - bei einer Akutbehandlung - zwei Wochen stattfindet

Krankschreibung wegen Burnout – geht das?

Eine psychische Belastung sollte man genauso ernst nehmen wie eine körperliche Erkrankung. Eine Krankschreibung wegen Burnout ist auf jeden Fall möglich und sollte auch von den Betroffenen wahrgenommen werden. In der Regel kann man damit zu seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin gehen. Doch es kann auch vorkommen, dass der Arzt oder die Ärztin keine Krankschreibung mit dieser Diagnose ausstellen möchte, sondern Sie an eine psychiatrische Praxis überweist, um eine zweite Meinung einzuholen.

Die Dauer der Krankschreibung kann variieren und hängt von den individuellen Umständen der Betroffenen ab. Es kann auch passieren, dass ein Arzt oder eine Ärztin eine ambulante oder stationäre Behandlung empfiehlt, wodurch die Dauer der Krankschreibung tatsächlich länger werden könnte. Der Arbeitgeber zahlt bis zu sechs Wochen das reguläre Gehalt; nach den sechs Wochen zahlt die Krankenkasse für bis zu 78 Wochen (bei derselben Erkrankung innerhalb von drei Jahren) ein Krankengeld in Höhe von 70 Prozent des Brutto- bis zu maximal 90 Prozent des Netto-Entgelts.

Übrigens: Ihr Arbeitgeber erfährt nicht, warum Sie krankgeschrieben sind. Sie müssen sich also keine Sorgen darüber machen, dass Ihr Arbeitgeber Sie damit konfrontiert. Bei einem guten Arbeitsverhältnis kann man aber natürlich offen darüber reden, wenn man das persönlich möchte.

Fazit

Achten Sie frühzeitig auf Ihre mentale Gesundheit. Ein Burnout sollte man nicht unterschätzen, denn es kann bei langer Nichtbeachtung und Verleugnung zu ernsthaften psychischen Krankheiten führen. Nehmen Sie Hilfe von Freunden und Familie an, achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche, nehmen Sie Warnsignale von Ihrem Körper wahr. Professionelle Hilfe kann Sie auf dem Weg begleiten und mit Ihnen gemeinsam hilfreiche Maßnahmen zur Bewältigung erarbeiten.

Häufige Fragen

Was macht man bei einem Burnout?

Wenn Sie die Vermutung haben, dass Sie unter dem Burn­out-Syndrom leiden, sollten Sie so schnell wie möglich Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin aufsuchen. Alternativ können Sie auch Hilfe bei der Telefonseelsorge suchen. Sie sollten auf keinen Fall die Anzeichen ignorieren und sich professionelle Hilfe suchen. Falls dieser Schritt für Sie erst mal zu schwer ist, wenden Sie sich an Freunde und Familie. Diese können Sie bei den weiteren Schritten unterstützen.

Wie äußert sich ein Burnout körperlich?

Ein Burnout kann sich tatsächlich nicht nur durch psychische Symptome, sondern auch durch körperliche Symptome äußern. Es können zum Beispiel häufige Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen und sexuelle Störungen auftauchen. Die Betroffenen leiden häufig unter chronischer Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Kann ein Burnout von alleine weggehen?

Ein Burnout geht in der Regel nicht einfach von alleine weg. Es gibt offensichtlich Gründe, warum es dazu gekommen ist. Mit diesen Ursachen müssen sich die Betroffenen auseinandersetzen und ein Bewusstsein dafür schaffen. Es ist ein Prozess, sich mit seiner mentalen Gesundheit zu beschäftigen und Techniken zu entwickeln, um langfristig wieder eine bessere Lebensqualität zu erreichen.

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